Guten Tag, ich bin Atheist. Hätten Sie ein paar Minuten für ein Gespräch?

Veröffentlicht: 5. Februar 2009 in kurz mitgeschrieben
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“Guten Tag. Ich bin Atheist und möchte gerne mit Ihnen über die schleichende Gefahr des Kreationismus sprechen! Hätten Sie ein paar Minuten für ein Gespräch?”

“Es tut mir leid, aber mir rinnt die Zeit davon…”

“Aber darum geht es ja! Genau darum geht es: Zeit, Entwicklung, … Außerdem: Wir sitzen im Zug und Sie können nicht flüchten!”

“Ähh. Ich habe wirklich keine Zeit für sowas! Ich muß zusehen, dass mein Projekt fortschreitet. Wenn Sie mich also bitte ent…”

“Eben. Fortschritt -da hat der Frosch die Locken!”

“Ähhhhh.”

“Fortschritt, Evolution und plötzlich werden Schulbücher sogar in Deutschland durch inhaltliche Downgrades ausgetauscht.”

“Wie bitte? Wovon reden Sie?”

“Ich spreche vom Vormarsch einer großen Gefahr! Sie taucht immer nur am Rande auf, fast unsichtbar und hüllt sich in einen Schleier aus Angst. Ich sage Ihnen der Untergang ist nahe!”

“Ach! Hören Sie doch auf mit Ihren Verschwörungstheorien!”

“Es ist keine Verschwörung, es ist ein Glaube! Ein verzweifelter Glaube.

Aber dazu muss ich ausholen..”

“O mein Gott!”

“Wie ich an Ihrem Tonfall höre, haben Sie sich in Ihr Schicksal ergeben, wenn man so will! Aber zu Ihrer Freude wird es auch um Ihren Gott gehen -wie sagen wir- in seiner Nicht-Existenz oder besser gesagt als eines der vielen konventionellen Konstrukte zur Regulierung des gesellschaftlichen und sozialen Zusammenlebens. Sie wissen, wovon ich rede??”

“…”

“Gott ist eine Gefahr! Ich muss Ihnen ja sicher nicht deutlich machen, wozu islamistischer Fundamentalismus fähig ist und welche unglaublichen Gräueltaten sich Palästinenser und Juden gegenseitig zufügen. Und dabei darf man nicht verschweigen, was die Christen an Unheilvollem in die Welt gebracht haben! Doch was jetzt kommt, ist an Dummheit und Beschränktheit nicht mehr zu überbieten. Ich warne vor den Kreationisten! Wie ich bereits eingangs erwähnte, werden nicht nur im prüden Amerika, sondern inzwischen auch in Deutschland Schulbücher ersetzt, in denen die Evolutionstheorie erklärt wird und durch Bücher oder besser gesagt Sektenbroschüren mit dem göttlichen Schöpfungsmythos eingeführt! Da gibt es Menschen, die trotz besseren Wissens zu einem gefährlich unverantwortlichen Glauben zurückkehren! Ich weiß nicht, ob Darwin in seiner Evolutionstheorie beschrieben hat, ob es evolutionistische Rückschritte gibt!? Aber dieser Glaube wäre ein Beweis dafür!”

“Sie können doch Leuten nicht vorschreiben, was sie zu glauben haben! Und außerdem ist Glaube oft sehr tröstlich und hat daher eine Daseinserechtigung!”

“Nun, ich möchte auch niemanden vorschreiben, was er/sie zu glauben hat! Im Grunde möchte ich sagen, dass wir heutzutage nicht mehr auf den Glauben angewiesen sind! Sehen Sie, Gott ist ein menschliches Konstrukt! Nicht anders herum!! Wir Menschen haben uns einen oder mehrere Götter erdacht, um unser soziales Zusammenleben zu organisieren, um das Jahr in fruchtbare und eher spärliche Tage einzuteilen. Wenn Sie sagen, der Glaube hätte eine Daseinsberechtigung, muss ich Ihnen entgegnen, dass es nicht mehr so ist! Wir brauchen keinen Gott, um moralisch zu handeln! Spätestens seit Kant können wir uns unserer Vernunft bedienen und unser Zusammenleben vernunftig organisieren, moralisches Handeln rational erklären und legitimieren. Wir müssen nicht mehr ”gut“ handeln, weil wir uns davon ein Leben im Paradies versprechen! Es gibt ein Leben vor dem Tod und mit unserem Verstand könnten wir dieses Leben sogar zu einem Paradies machen!

Gottvertrauen ist nicht mehr zeitgemäß und einen Gott ins Zentrum Ihres Lebens zu stellen würde ich glatt als fahrlässig bezeichnen!

Wenn Sie argumentieren, dass der Glaube Trost spendet, dann frage ich Sie: Ist das zweckdienlich?? Ihr Argument entkräftet folgendes Beispiel: Sie stehen auf den Gleisen und der InterCityExpress ”Sprinter“ rast mit einem Affenzahn auf Sie zu; und anstatt von den Gleisen zu springen -weil dazu hätten Sie ja genug Zeit, denn die Bahn verspätet sich immer-, halten Sie sich aber nur die Hände vors Gesicht und hoffen, dass nichts passiert!”

“Nun hören Sie mal, ich bin ein aufgeklärter Mensch, was unterstellen Sie mir. Und außerdem ist es doch meine Sache, an was ich glaube!”

“Agnostiker, hab ichs mir doch gedacht! Ein Fähnlein im Winde, doch die Luft ist faul mein Freund: Aus der einen Richtung bläst die alte, stinkende ”Sklavenmoral“ wie Nietzsche so trefflich schrieb und aus der anderen Richtung weht der sterile Geruch kalter, herz- und triebloser Wissenschaften, die mehr Fragen aufwerfen als zu beantworten. Bei Ihnen riecht es nach Angst, weil Sie nicht den Mut Kants aufbringen, die Brille abzulegen!”

“ *grummel* Ich werde mich nicht mit Ihnen unterhalten! Sie wissen doch gar nicht, was ich glaube!”

„Sie glauben, dass Sie im Grunde ein anständiger Mann sind. Was sie zweifellos sein können.. Sie denken, dass Sie einen guten Beruf ergriffen haben, anständig arbeiten, um Ihr Leben und das Ihrer Familien zu finanzieren. Sie glauben, wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, kommen Sie auf die ”gute Seite“! Und wenn nicht, dann nicht.

Aber, falls Sie im Ende feststellen, dass ihr Glaube nicht hält, was sie sich von ihm versprochen haben, hätten Sie dann Dinge in Ihrem Leben anders gestaltet?“

___

(Ein Auszug aus einem (noch) fiktiven Dialog, den ich als Antwort auf die christlichen Bekehrungen in der Deutschen Bahn geschrieben habe.)

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Kommentare
  1. Peter sagt:

    Leider ist dieser Artikel voll von Klischees über das Christentum.Eine ehrliche Auseinandersetzung ist da nicht zu finden.

  2. psychonautik sagt:

    Der Artikel ist auch nicht als „ehrliche Auseinandersetzung“ gedacht, sondern soll spiegeln wie ich „ehrliche Auseinandersetzungen“ mit Christen beobachte.
    Aber, lieber Peter, um Deinen Vorwurf nicht im gottlosen Raum verhallen zu lassen: Ich bin wirklich nicht an einer Auseinandersetzung mit ihrem oder jedem anderen Glauben interessiert!

  3. Don M sagt:

    Tach Chef! Hab mir gerade deinen Blog durchgelesen und ich glaube, dass ist der Eintrag der mir am besten gefallen hat, auch wenn Nachtfieber mich direkt von meinem morgendlichen Cappuccino-Schlürfen in eine dunkle, mystische Nachtwanderung gerissen, und der Text über die Schokoladen gefüllte Marienkäfer-Gummipuppe mein Fabel-Kino aktiviert hat. Eine von den Graphiken fand ich auch genial, trau mich aber gerade nicht auf die andere Seite zu springen um zu schauen wie die hiess, aus Angst, dass dann das Kommentar futsch ist. Entweder ist Dein letzter Beitrag schon ein paar Monate her, oder aber ich find die neueren Sachen einfach nicht. Auf jeden warte ich gespannt auf die Fortsetzung! Ach so… bei dem Text über die Feuerzeuge und Messer hab ich mich auch an ein paar Sachen erinnert jejeje… man sollte halt auch im Zimmer von 15-16 jährigen keinen neuen Korkfussboden verlegen, gell! Sooo… genug für heute! Bis zum nächsten und beste Grüsse!

  4. Nun habe ich die Vorgehensweise zwar nicht so ganz kapiert, sehe aber auf jeden Fall das Potential dahinter :-). Noch eine beschauliche Zeit bis Ostern (wenn überhaupt 🙂 und viele Grüße, Friedwin Wehr

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