Archiv für die Kategorie ‘aus der alten Kiste unterm Bett’

Schmetterling

Veröffentlicht: 14. Juli 2009 in aus der alten Kiste unterm Bett

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„Ja, wir fahren nach Budapest.. (aber hier sitzen unsere Füße!)“

In Heidelberg

Trieb zehn Tage in einem Meer aus Alkohol, inzwischen klingelt mein Schädel, die Sonne ist schon über den Horizont gekrochen, mir ist schlecht, ich schwitze, doch mein Herz pocht noch…

Plötzlich fällt mir ein,

ich muss noch packen,

in 87 Minuten sollte ich im Zug Richtung Süden sitzen!

Im Zug hinter Karlsruhe

Erste, vage Informationen und Tipps über Budapest,

dumme Frau diagonal gegenüber von mir,

40 bis 50, Rad-Trikot, Fahrradhelm im Zug,

ob sie vielleicht Angst hat,

dass der Zug umkippt?!?

Ich blende mich wieder aus…

Irgendwo, wo die Sonne brennt

Ich schlafe immer wieder ein,

Leute glotzen mich an,

ich spüre Blicke und

gebe ein erbärmliches Bild ab:

Alkoholfahne, ungeduscht und außer Stande, Kontrolle übers Wachsein zu behalten.

Jede Haltestelle schrecke ich auf, bis ich in Konstanz ankomme!

Konstanz

Treffen mit meinen zwei Begleitern,

wollte mich eigentlich noch kurz erholen,

ein letztes Mal ausspannen,

doch ein Gepäck-Check ergab,

habe alle Klamotten

direkt aus meinem Schrank in die Tasche geworfen..

Umdisponieren… nehme ich Snowboard-Jacke und lange Unterhosen mit?

Countdown läuft,

der Dritte im Bunde ist noch nicht da,

wir warten,

in fünf Minuten fahren wir los,

letzter Passagier muss noch packen, im Gegensatz zu mir eher minimalistisch, der Zug wartet schon auf uns!

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Das sind die einzigen Aufzeichnungen, die ich noch vom Sziget in Budapest aus dem Jahr 2003 besitze. An was ich mich erinnere ist, dass mein Bruder und ich später den dritten im Bunde verloren hatten. Er hat es sich mit einer Bekanntschaft im Schlafwagen gemütlich gemacht. In Wien wurde der Zug getrennt. Er und seine Begleiterin fuhren ohne Ausweis, ohne Fahrschein, ohne Telefon, ohne Kleidung, ohne Ziel und ohne Ahnung weiter. Erst in Budapest bemerkten wir unseren Verlust. Ebenso eine andere Gruppe deutscher Festivalbesucher. Auf absurde und abenteuerliche Weise tauchte das Pärchen im Laufe des Festivals wieder auf. Besonders lebhaft in meiner Erinnerung ist die Rückfahrt, die wir mit einem gefälschten Fahrschein antraten und mit einem Getränkevorrat von einem halben Liter Cola für zwei Personen in einem brütend heißen Waggon mit kaputter Klimaanlage von Budapest nach Konstanz. Geld hatten wir natürlich auch keines mehr…

Ich sitze am Fenster.

Veröffentlicht: 13. September 2008 in aus der alten Kiste unterm Bett, Lyrisches
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Ich sitze am Fenster.

Wie immer allein.

Ich betrachte das Wetter.

Wie immer Regen.

Sag´ warum..?

Sag´ warum..!

Wie immer.

Niemand antwortet.

Anlässlich meines neunundzwanzigsten Geburtstags gibt es nun das zu lesen, was ich an meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag geschrieben habe, worin auch zu den Geschehnissen an meinem vierundzwanzigsten Geburtstag Bezug genommen wird!

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Der Tag, an dem ich meinen Computer aus einer pandimensionalen Zeitschleife befreite war im Großen und Ganzen mein Geburtstag: Mein fünfundzwanzigster!

Ich verbrachte den ganzen Nachmittag im Bett. Ich zog mir nur kurz den alten, weißen Bademantel über, als ich die Treppen herunterging, um im Briefkasten nach Post zu sehen. Doch ich konnte nur den täglichen Brief an meine Mitbewohnerin bergen. Wieder oben angekommen sah ich in den Spiegel. In dem Bademantel sah ich aus wie ein Schlachter! Die vielen Teeflecken wirkten wie geronnenes Blut, weswegen ich beschloss den Bademantel endlich seiner letzten Bestimmung zu kommen zu lassen..

Stunden zuvor beauftragte ich meinen PC, die CD, die ich in seinen Schlund beförderte, auf der Festplatte zu speichern, um die Früchte intensivster Internetrecherge und monatelangen Suchens zu ernten, woraufhin sich mein PC in gewissenhaftes Summen und konzentriertes Schnarren zurückzog. Es schien ein ruhiger Tag zu werden..

Die Minuten verstrichen wie Sekunden und ich verbrachte die Zeit hauptsächlich damit, an das Mädchen zu denken, das eine Woche zuvor aus voller Brust und reiner Seele für mich gesungen hatte.

Wie dem auch sei, Zeit verging, aber nichts passierte! Die Sonne war schon im Endspurt ihres Halbkreises, bis ich entschloss, so könnte es nicht weiter gehen! Der PC müsste doch inzwischen seine Arbeit getan haben.. Ich knuffte die Maus und während ich darauf wartete, dass mein PC sein Auge öffnete, wollte ich die CD aus seinem Rachen entladen, als mich plötzlich ein blauer Bildschirm panisch darauf hinwies, dass irgendwas nicht normal war!

In solchen Augenblicken setzt man sich erst mal hin und macht sich einen Kopf..
Es flutschte und das Telefon klingelte. Die lieben Eltern. Wie immer gibt’s zuerst einen „Dialog“ mit der Überschrift „Fortschritt des Studiums“, daran schloss der zweite Teil „Geburtstag“ an; der zweite Teil beschränkte sich hauptsächlich auf meinen vierundzwanzigsten Geburtstag:
Damals klingelte ebenfalls das Telefon und mein Bruder gratulierte mir. Während er das tat, hörte ich gleichzeitig meine Türklingel im Hausflur und im Telefonhörer. Bevor ich zu der Schlussfolgerung kam und sie am Telefon meinem Bruder mitteilte, dass er es war, dem ich die Türe geöffnet hatte, hatte ich sie schon geöffnet…
Er sagte nur noch, er sei aber nicht allein und das Gespräch war beendet! Ich hörte mindestens sechs Füße die Treppen raufkommen.. Ich hatte kein Problem damit, meinem Bruder, meiner Schwester und meiner Mutter zu zeigen, was ich von unangemeldeten Besuchen und unerwarteten Überraschungen generell hielt!
Seitdem muss ich Seitenhiebe auf Kosten meiner Gastfreundlichkeit hinnehmen, die immer mit diesem Satz enden: „Wir würden Dich ja gerne besuchen kommen, aber wir dürfen ja nicht!“

Nach den telefonischen Gratulationen zu meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag und den obligatorischen Sticheleien, die erwartungsgemäß eben jenem Satz endeten, hatte das blaue Auge der Flimmerkiste die panische Hektik abgelegt und blickte wie gelähmt ins Nichts.

Ich fragte mich, ob man sich andauernd um solche Dinge einen Kopf machen müsste oder ob ich ein heißes Bad nehmen sollte, um endlich aus dem Pyjama herauszukommen.
Ich beantwortete beides mit „Ja“, ließ Wasser in die Wanne und blies den blauen Rauch über den blauen Bildschirm, während ich die „Esc“-Taste drückte.

Flammende Flugzeuge

Nieseln durch die

Grauen Wolken vom

Hoffnungsblauen Himmel herab.

Glassplitter, Explosionen,

Giftig fauchende Rauchwände.

Geschrei und Tod

Vermengen sich mit

Lichterlohen Sirenen.

Hochhäuser und Menschen

Sacken in sich zusammen.

Alle Wege sind mit

Dem öligen Dunst der

Schuld und Betroffenheit

Bedeckt- darin gespiegelt:

Der verheißungsvolle Regenbogen,

Der schillernd unwirkliche,

Nie zu erreichende Schatz.

Tränen spülen Seelen,

Wie Regen den Beton.

Doch: Tränen löschen keine Brände.