Mit ‘Alkohol’ getaggte Beiträge

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„Ja, wir fahren nach Budapest.. (aber hier sitzen unsere Füße!)“

In Heidelberg

Trieb zehn Tage in einem Meer aus Alkohol, inzwischen klingelt mein Schädel, die Sonne ist schon über den Horizont gekrochen, mir ist schlecht, ich schwitze, doch mein Herz pocht noch…

Plötzlich fällt mir ein,

ich muss noch packen,

in 87 Minuten sollte ich im Zug Richtung Süden sitzen!

Im Zug hinter Karlsruhe

Erste, vage Informationen und Tipps über Budapest,

dumme Frau diagonal gegenüber von mir,

40 bis 50, Rad-Trikot, Fahrradhelm im Zug,

ob sie vielleicht Angst hat,

dass der Zug umkippt?!?

Ich blende mich wieder aus…

Irgendwo, wo die Sonne brennt

Ich schlafe immer wieder ein,

Leute glotzen mich an,

ich spüre Blicke und

gebe ein erbärmliches Bild ab:

Alkoholfahne, ungeduscht und außer Stande, Kontrolle übers Wachsein zu behalten.

Jede Haltestelle schrecke ich auf, bis ich in Konstanz ankomme!

Konstanz

Treffen mit meinen zwei Begleitern,

wollte mich eigentlich noch kurz erholen,

ein letztes Mal ausspannen,

doch ein Gepäck-Check ergab,

habe alle Klamotten

direkt aus meinem Schrank in die Tasche geworfen..

Umdisponieren… nehme ich Snowboard-Jacke und lange Unterhosen mit?

Countdown läuft,

der Dritte im Bunde ist noch nicht da,

wir warten,

in fünf Minuten fahren wir los,

letzter Passagier muss noch packen, im Gegensatz zu mir eher minimalistisch, der Zug wartet schon auf uns!

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Das sind die einzigen Aufzeichnungen, die ich noch vom Sziget in Budapest aus dem Jahr 2003 besitze. An was ich mich erinnere ist, dass mein Bruder und ich später den dritten im Bunde verloren hatten. Er hat es sich mit einer Bekanntschaft im Schlafwagen gemütlich gemacht. In Wien wurde der Zug getrennt. Er und seine Begleiterin fuhren ohne Ausweis, ohne Fahrschein, ohne Telefon, ohne Kleidung, ohne Ziel und ohne Ahnung weiter. Erst in Budapest bemerkten wir unseren Verlust. Ebenso eine andere Gruppe deutscher Festivalbesucher. Auf absurde und abenteuerliche Weise tauchte das Pärchen im Laufe des Festivals wieder auf. Besonders lebhaft in meiner Erinnerung ist die Rückfahrt, die wir mit einem gefälschten Fahrschein antraten und mit einem Getränkevorrat von einem halben Liter Cola für zwei Personen in einem brütend heißen Waggon mit kaputter Klimaanlage von Budapest nach Konstanz. Geld hatten wir natürlich auch keines mehr…

Gassenwanderung

Veröffentlicht: 9. Juli 2007 in Lyrisches
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Ich ziehe durch die Straßen. Mein Mojo versickerte zum späten Tag in Bläue. Schwankend sucht mich nun ruhiger Frieden. So wandere ich durch die Gassen. Das Kopfsteinpflaster scheint komisch klein zu sein. Ein Grinsen in meinem Gesicht. Ich versuche, es zu verstecken, es nicht zu einem inbrünstigen Lachen werden zu lassen. Der Regen klatscht mir ins Gesicht. Völlig außer Atem gehe ich auf belebter Straße, auf der Suche nach dem geraden Weg. Alles ist so seltsam und surreal… die Kneipen, Schilder und all die Passanten, alles ist soweit weg; wie diese Eine. Alles ist so unerreichbar weit entfernt. Ich gehe durch die Straßen. Der Wind zieht wie ein kalter Schauer durch die Kleidung. Ich lache, doch verkneife mir jeden Ausschrei. Millionen Seiten brennen auf meiner Zunge, doch ich schweige. Meine Füße sind soweit weg. Ich versuche mein Grinsen unter Kontrolle zu bringen. Niemand könnte mir dieses warme Gefühl nehmen.. und so wandere ich die alten Gassen entlang.

Das Wetter war sehr schwül, schon seit Tagen staute sich die Hitze unter der Wolkendecke und die Luft konnte man schneiden. Ich arbeitete in meiner Spelunke, dort war die Luft noch schlechter. Mein Blut schwamm im Alkohol und mein Körper fühlte sich von innen an wie ein verklebter Blasebalg.

Weit nach Ladenschluss knallte ich meinen Ellenbogen auf die Theke und dreht meine Mütze wie Stallone in “Over the Top”. Ich ließ meinen Motor an und hoffte, dass jemand mich herausforderte. Und tatsächlich: Es war Zwei-Finger-Joe! Dieser hat interessanterweise zwei Finger und einen Daumen, zudem ist er Linkshänder! Ich fragte mich, was ich tun würde? Wird er mich besiegen? Soll ich ihn gewinnen lassen? Darf ich diese Hand wirklich belasten? Erstaunlicherweise schmiegten sich seine zwei Finger und der Daumen perfekt zum Armdrücken in meine linke Fünf-Finger-Hand. Wird er vielleicht amtierender Vizeweltmeister im Paralympischen Armdrücken sein und meine schwache, linke Hand hart auf die Holztheke schmettern? Wir sahen uns an und ein Nicken startete den Kampf! Sofort spürte ich seine Butterarme und ohne einen Anflug der eingangs erwähnten Zweifel, besiegte ich ihn souverän.

Zu diesem Zeitpunkt -ungefähr- setze ein lauer, kurzer Regen ein. Man atmete die kondensierende Nässe, bis sich die Luft wieder knapp unter den Saturiertheitslevel (für die Aufnahme von Feuchtigkeit) ausgeregnet hatte. Kurz darauf wurde es dann wieder schwüler!

Am nächsten Abend. Es war immer noch schwül, aber nicht mehr so heiß. Es war den ganzen Tag bedeckt und ich habe mich wie ein kleines Kind auf ein tolles Gewitter gefreut. Es zogen auch dunkle Wolken auf, doch es blieb bei kleinen, angenehmen Schauern.

Die folgende Szenerie fand draußen statt. Eine überdachte Veranda und eine Einweihungsparty mit netten, nicht zu vielen Gästen. Es gab auch Räumlichkeiten, die ich aber nur einmal kurz erwähnen werde. Irgendwann kam jemand aus eben diesen Räumlichkeiten, die nun wirklich keine weitere Rolle in diesem und auch in keinen weiteren Abschnitten spielen werden, heraus gestolpert. Kurz vorher hatte jemand die Musik gewechselt und das Gesprächsthema draußen war: Ist das Goa? Oder hat diese Musik eine andere Bezeichnung, die man sich merken muss, um weiteren Kontakt damit zu vermeiden. Also fragte ich diesen Jemand, ob die Musik Goa sei. Er sagte, es sei Goa und in diesem Augenblick war mir klar, er war derjenige, der verantwortlich für den Musikwechsel war und ich wusste, wenn ich in diesem Augenblick nicht reagiere, wird dieser Hippie mir ein Gespräch über Goa aufzwingen! Reflexartig wendete ich mich meiner charmanten Begleitung zu, und er ließ von mir ab. Er, barfuß und in erdfarbenen Tönen gekleidet, gesellte sich ans andere Ende des Tisches. Geteilte Plaudereien rundum den Tisch plätscherten so vor sich hin, doch immer wieder ließ dieser Mensch mich aufhorchen. Da war irgendwas, da lag etwas in seiner Stimme.. oder eben nicht.. War es ein Sprachfehler? Immer wieder versuchte ich mittels Cocktailpartyeffekt bei ihm reinzuhören. Doch seine Stimme war leise, er lispelte und es waren mehr als ein Sprachfehler, die diese kleine Stimme ausmachte. Ich sah seine Zuhörer an, sie hingen gebannt an seinen Lippen. Hatte er Wichtiges zu berichten? Wie findet er Gehör? Soll ich auch so tun, als wäre ich gebannt und ihm zuhören, schließlich hat er eine Sprachbehinderung..? Ein fast Stimmloser, vielleicht kann er wahrlich Großes erzählen..? Welch ein Symbol! Das Wort “Level” fiel öfters und diffuse Zeitangaben.. Ging es hier um Meditationen, Bewusstseinsebenen? Er sah aus wie diese Goa-Hippies nun mal aussehen. Beim wiederholten Mithören und Gebannt-auf-seine-Lippen-schauen (sonst hätte ich gar nix verstanden) wurde mir klar, worüber er seit geraumer Zeit sprach: Es ging um sein Computerspiel, das er offensichtlich gerne spielt! Mein Blick schweifte schnell ab und streifte über seine Hörigen. Sie hatten Mitleid mit ihm und seiner Stimme, aber sie hörten ihm nicht zu, was ich gut nachvollziehen konnte.

Ich war enttäuscht und durchbrach diesen Teufelskreis, indem ich in dieser kondensierenden Nacht für Wodka-O sorgte!