Mit ‘Einsamkeit’ getaggte Beiträge

Ein kalter Schauer, sich die Zähren pflückt…

Das kummervolle Zimmer liegt im Halbdunkeln, Musik erklingt gedämpft aus den Ecken. Kerzen verströmen schweren, süßen Duft. Gedankenversunken liegt sie vor einem zersprungenem Spiegel auf dem Boden ihrer Kammer. Zwischendurch flammt leise Feuer, Qualm steigt auf und diskret knistert die Glut ihrer Zigarette. Einzelne Lichtfinger tasten sich durch die kerzenweichen, rauchigen Schatten, während sie Ordnung in ihren Scherben sucht. Ab und zu verlieren sich die traurigen Augen in den Spiegeln und blicken tief in ihre Seele. Kalter Schauer und Gänsehaut krabbeln über ihren Rücken. Sie erschrickt, als sie sich selbst im Spiegel erkennt. Ihre Lippen zittern und Tränen laufen ihre Wangen herab. Schnell zerwühlt sie die Anordnung ihrer Gesichter und dutzende Augen blicken ihr zornig entgegen. Sie weiß, diese Augen sehen anders. Dann wieder gläsernes Splittern aus der Mitte des Raumes, Lichtertanz an den Wänden, so liegt, sitzt und kniet sie seit Stunden und arrangiert ihr Mosaik der Gefühle.

„ Roadworks 1 – Heavy metal iz a poze, hardt rock iz a leifschteil“ von „Motorpsycho“

„The Other Fool“ leitet in das Album ein. Tief brummender Bass, messerscharfe Riffs, Funk und Jazz blitzen aus den Spitzen. Ein wüstes Lied, das dem Hörer nicht die Möglichkeit gibt, sich mit etwas anderem zu beschäftigen und ein hervorragender Übergang für die „K9 Suite“ (auch als „Un Chien d’Espace“ bekannt). Ruhig schleicht sich die Suite ein und still steigernd kracht dann unerwartet das Leben auf einen nieder. Federleicht hebt sich der Gesang aus der schweren Klangfülle. Weggezogen, aus Raum und Zeit gekürzt, das Bewusstsein beschränkt sich nur noch auf die akustische Wahrnehmung. Das Leben in allen höchsten Höhen und tiefsten Tiefen beschreibt dieses Lied. Die Kontinuität des Zyklus´ sowie die gegensätzliche Endlichkeit dieses Kreislaufs werden in Harmonie gestimmt. Nach 19 der 30 Minuten ist der Moment erreicht, den ich immer nur vage mit der „generellen Richtigkeit aller Dinge aller Dinge“ umreissen kann. Alles läuft auf einen Urton, eine Vibration, eine Schwingung, die alles überlagert, alles (be)stimmt, alles erfüllt, hinaus. Eine in sich geschmolzene, auseinander laufende und wieder in sich zurückkehrende Energie, die alles andere begründet, alles andere erst möglich macht. Kein Konsens, sondern Sinn. Wille! Ein erniedrigendes, vielmehr beängstigendes Gefühl, doch dann singt aus der Ferne die Zuversicht. „Super-Wheel“ überrollt die halbstündliche Bewusstseinserweiterung. Und bevor man sich wieder bewusst ist, findet man sich abrupt auf Reise. Mit der Zuversicht im Gepäck schreitet man in die dunkle Höhle und stürzt sich in das Teerloch. Alleine, leise schleichend, in die Schatten der finstren Ecken lauernd, in sich erkundend, Ruhe. „You Lied“ zieht das Rückenmark zurück aus der Reflexion und ist Vorredner des darauf folgenden, phantastischen „Black To Comm“. Man kehrt zurück aus der Hypnose, fühlt den Körper. Es baut Spannung auf. Drive. Und zieht den Hörer den Berg hinauf zum thronenden, alles über schauenden Gipfel. Dort oben gibt es 13 Sekunden „Words Of Wisdom“. Der finale Abschluss ist „Vortex Surfer“ Ein buntes Synapsenfeuerwerk an Erregungsübertragungen verbrennt in haarsträubenden Synästhesien. Der Text hat noch ein sehr langes Echo in meinem Kopf.

Ich sitze am Fenster.

Veröffentlicht: 13. September 2008 in aus der alten Kiste unterm Bett, Lyrisches
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Ich sitze am Fenster.

Wie immer allein.

Ich betrachte das Wetter.

Wie immer Regen.

Sag´ warum..?

Sag´ warum..!

Wie immer.

Niemand antwortet.