Mit ‘Heidelberg’ getaggte Beiträge

Freitag Nachmittag. Mein Mitbewohner hat gerade seine Prüfung bestanden. Wir sitzen in der Küche und quatschen. Plötzlich ein leises Läuten der Klingel. Ich schrecke auf, denn wir erwarten niemanden! Womöglich die GEZ, denke ich, aber da kein Radio läuft, drücke ich auf den Türöffner. Man muss dazu sagen, dass in unserem Haus drei Mietparteien wohnen. Ganz unten der Vermieter Siegfried, in der Mitte seine Schwester Helga mit ihrem Lebensgefährten und im Dachgeschoß wohnen wir. Ich höre, dass sich schon Personen im Treppenhaus befinden und gehe in den Flur. Im Stockwerk unter uns ruft Helgas Lebensgefährte: „Was?“ Ich blicke die Treppe herunter und höre als Erwiderung: „Hier ist die Polizei, die Feuerwehr ist unterwegs!“ Adrenalin, Puls und Ruhe bewahren!
Ich atme tief durch die Nase ein und flute meinen Kopf mit allen Eindrücken, die die letzten größeren Brände in diesem Haus bei mir hinterlassen haben. Es sind immer die Küchen, ich denke an die spontane Selbstentzündung und an den Nachmittag als sich Helgas Mülleimer entzündete, nachdem sie ihren Aschenbecher darin geleert hatte. Und dieser stand nunmal leider unter ihrer Spüle. Gegen 13:30 Uhr fing die Küche Feuer, was jedoch niemand bemerkte, weil alle entweder außer Haus waren oder schliefen. Ich war einer derjenigen, die schliefen. Ich wachte wegen dieser immer lauter werdenden Sirene auf, sah schlaftrunken aus dem Fenster und bemerkte einen Feuerwehrwagen, der falsch in unsere Einbahnstrasse fuhr. Muss ganz in der Nähe sein, dachte ich, schloss das Fenster und legte mich wieder hin. Dann war Ruhe, aber dieser Brandgeruch stieg mir in die Nase. Das ist echt ganz in der Nähe! Im nächsten Augenblick erkannte ich, dass mein Zimmer zur Hälfte in Rauch lag und stand unmittelbar danach barfuß im Schlafanzug (ja, ich trage wirklich Schlafkampfanzüge!) mit einer Jacke über den Schultern im Treppenhaus und sah der Feuerwehr zu, wie sie Helgas verschäumte Wohnung verließen. Im Halbschlaf öffnete ich die Fenster unserer Wohnung und verkündete meinen Mitbewohnern, die inzwischen von dem Trubel geweckt wurden, von den Ereignissen.
Seit diesem Zeitpunkt ist meine Nase für diesen Brandgeruch sensibilisiert, der an diesem Freitag aber definitiv nicht in der Luft liegt! Gelassen steige ich die Treppe hinab und werde vor der Haustüre von Helgas Lebensgefährten und zwei Polizisten erwartet. „Die Nachbarn haben die Feuerwehr gerufen, weil dicke Rauchschwaden von ihrem Haus aufsteigen.“, informiert der Polizist. „Jetzt ist nichts mehr zu sehen!“ fügt seine Kollegin hinzu. Ich informiere die Uniformierten, dass es oben im Haus nicht brennt und auch nicht danach riecht. „Die Feuerwehr ist unterwegs!“, bekomme ich als Antwort. Helgas Lebensgefährte schaut mich achselzuckend an: „Die Heizung ist schon abgestellt, die kann es nicht sein.“ Dann summt der Türöffner wie ein großes Fragezeichen. Siegfried, der Vermieter, hat noch nichts mitbekommen. Ich gehe auf die Straße, wo die Polizistin unser Dach ins Auge gefasst hat. Ich schaue in ihre Richtung und sehe nur Scheißwetter. „Im Haus brennt es nicht.“, sage ich, aber aus ihrem Walkie-Talkie knattert es: „Feuerwehr ist unterwegs!“ Gewiss mich keiner Gefahr auszusetzen will ich zurück ins Haus, aus dem Siegfried mit den Worten „Was ist denn hier los?“ doch noch heraus kommt. „Die Nachbarn haben die Feuerwehr gerufen, weil dicke Rauchschwaden von ihrem Haus aufsteigen. Also vor wenigen Minuten noch… und die Heizung kann es ja nicht sein…“ „Nee, die Heizung ist nicht an,“ antwortet Siegfried „aber ich habe deswegen gerade den Kamin bei mir angefeuert!“

Patschnass aufgewacht. Der Schlaf war nicht erholsam. Böse Fieberträume. Schwindel und keine Kraft. Das Telefon klingelt, aber es ist niemand mit dem ich sprechen möchte. Kaffee. Mehr Schwindel. Puls rast. Musik. Nein, doch nicht. Kann nichts hören. Ich lege mich wieder hin.

Das Telefon weckt mich. Ich bin stark! Aber es geht mir nicht so gut wie ich es mir und den anderen wahr machen möchte. Gedanken auf Abwegen. Sie betätigen die falschen Schalter für die Achterbahn der Gefühle. Heiße und kalte Schauern zucken durch meinen Körper. Hunger, aber kein Appetit. Der Versuch, etwas Nahrhaftes herunterzukriegen, scheitert. Musik, mein einziger Freund. Ich verstehe Dich, doch ich kann Dich nicht hören! Oder höre ich Dich und verstehe Dich nicht?

Dieser lästige Sprühschiss! Mein Urin ist zu dunkel. Morgen hat der Arzt Zeit für mich. Morgen soll ich in meinen Geburtstag feiern! Geburtstage machen mich depressiv. Letztes Jahr ging es mir auch nicht gut. Am Schluss der Party saß ich auf dem Boden, völlig aufgelöst und weinte still vor mich hin. Nun werde ich 30! Alle reden von einem wichtigen Abschnitt im Leben. Doch was ist mit dem Leben, was ich will? Wo ist das Leben, was ich mir ausgesucht habe? Ich traue mich nicht zu fragen, ob es noch da ist! Warum ich nicht wusste, dass es so schwierig ist?? Ich wusste es ja! Es gibt halt auch Tiefen, in denen man Inspiration suchen sollte. 30. Ich habe keine Angst und keine Sorge vor dem nächsten Kapitel. Es sind Geburtstage im Generellen, die mich deprimieren. Man denkt über seine Freunde und sein Leben nach, fragt sich wohin man eigentlich will und was dazu geführt hat, dass man jetzt erst hier ist! Das verleitet halt immer zur philosophisch dümmsten Frage: „Was wäre, wenn…?“ Ein leichtes, überlegenes Grinsen: 30 ist nicht das Problem.

Das Telefon schreckt mich aus dem Trübsinn. Ich gehe ran, klinge verschlafen. Schön die Stimme noch mal zu hören, auch wenn es nur kurz ist. Sofort darauf wieder Telefon. Aber ich finde, ich muss heute nicht mit jedem reden! Weggedrückt. Nur weil mein Telefon Tag und Nacht an ist, heißt es ja nicht, dass mich jeder immer anrufen kann. Ich würde schon gerne mit ihnen reden, aber so nicht! Nicht heute! Ich bin ja auch online, will aber nicht gleich mit allen chatten und mich austauschen. Eine gefüllte Freundesliste macht noch keine wahren Freunde! Ich möchte folgende Statusmeldung in den Äther schicken: „Ich bin online, um Euch nah zu sein. Aber bitte lasst mich in Ruhe!“ Dieses Fieber ist ansteckend. Und es ist der Grund dafür, warum ich mich nicht traue, mich persönlich mitzuteilen. Quarantäne.

Musik geht inzwischen, Essen noch nicht. Kopfschmerzen pulsieren vom Gedankensalat. Ich muss aufhören, abschalten. Schließlich will ich mich nicht in Selbstmitleid suhlen! Wieder Telefon! Immer jemand anderes! Weggedrückt. Die Mittelchen zur dumpfen Betäubung sind sehr beschränkt. Der faule Pelz muss entfernt werden! Ich werde die Zähne putzen, mich dick einpacken und mit meinem einzigen Freund in die Wälder gehen.

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Die Luft war gut. Mild, duftend. Ein goldener Herbsttag. Es roch bekannt und nostalgisch. Nach zwei Schritten aus der Haustür, drehte ich um! Heute müssen die mystischen Plätze warten. Ich ging zurück in mein Zimmer und holte meine Taschenlampe und die fingerlosen Handschuhe. Dann ging es los, schnurstracks zum Schlangenweg hinauf. Ich fühlte mich wohl! Sehr wohl, obwohl mein Körper darüber anders gedacht hat! Aber der musste ja auch die ganze Arbeit machen. Mein Geist war amüsiert und gefüllt mit Musik.

Das Ziel war das alte Kloster auf dem Berg über der Thingstätte. Der Weg dorthin war länger als ich ihn in Erinnerung hatte. Und auch mein Geist hatte manchmal schwer zu arbeiten, um dorthin zu kommen. Eine erste längere Rast legte ich an der Thingstätte ein. Es dämmerte schon, als ich ankam. Aber es waren noch einige Leute da. Ich besann mich auf die Musik.

Im Halbdunkel ging ich zum Kloster hinauf. Das Tor war wie erhofft nicht verschlossen und mit der Taschenlampe suchte ich mir den Weg. Ich fand ein Plätzchen auf den Resten einer Wand am hintersten Ende. Auf die Mauern hätte ich mich gerne gesetzt oder in den Turm, aber bei den herrschenden Lichtverhältnissen sollte man am Boden bleiben. Ich bereitete alles vor und habe sicher wie ein blöder Prolet ausgesehen, als ich meinen Computer mitten in der Wildnis ausgepackt habe. „Wenn jemand lästert, kriege ich es nicht mit!“, dachte ich und setzte meine großen Kopfhörer auf. Mit einem Schlag war es dunkel und nur die grünen Buchstaben leuchteten zur Musik.

Manchmal ist es sehr schwer, Musik zu ertragen. Und manchmal kann man nichts anderes machen, als in sie zu versinken. In diesem Fall traf beides zu! Also schrieb ich und ließ mich fallen.

Diesmal gab es keine Sternschnuppen, der Himmel war bewölkt. Ich habe einmal gesagt, dass ich keine mehr bräuchte. Das hatte ich nun davon! Immerhin war es angenehm warm und tranig kamen die Worte ins Fließen.

Als irgendwann mein Telefon klingelte, ging ich ran! Besuch kündigte sich an und ich saß am anderen Ende der Stadt alleine auf einem Berg in einem Wald. Das Treffen wurde verschoben, bis ich wieder in der Zivilisation wäre. Ich packte zusammen. Legte mich noch einen Moment zurück, weil mein Rücken vom Schleppen und schlechten Sitzen vor dem Computer schmerzte und schloss die Augen. Waldgeräusche. Wind, Knacken, Fledermäuse, Rascheln. Satter Duft wurde mir in kleinen Brisen zugewedelt. Ich blieb eine kleine Weile und fühlte die Welt ohne Musik. Ein herrliches Gefühl!

Es verschwand beim Abstieg und machte Angst und Panik Platz. Die Taschenlampe war nutzlos, der Weg zuweilen gefährlich und steil. Undefinierbare Geräusche, schnelle Schatten, das Gefühl nicht allein zu sein und vom Wald beobachtet zu werden bescherte mir Gruseln. Als ich endlich am asphaltierten Philosophenweg ankam, war ich schweißgebadet. Stadtlichter, dann ging alles sehr schnell.

Ich bin zufrieden. Viel und tief frische Luft eingeatmet. Mein Arzt wird auch zufrieden sein, denn er wird morgen früh auf jeden Fall etwas finden.

Es ist wieder Zeit sich dem richtigen Umgang mit Musik zu widmen!

Diesmal geht es um die richtige Sortierung der eigenen Musiksammlung. Um es gleich vorweg zu nehmen, es gibt nicht die richtige Sortierung der eigenen Musiksammlung! Die richtige Sortierung ist ein hochkomplexes Verfahren, das nicht dazu gedacht ist, dass es einen Abschluss findet! Insofern ist es nicht ratsam, hier weiter zu lesen, ohne die entsprechend Vorkenntnisse. Dies ist ausdrücklich kein Grundkurs, sondern ein Hauptkurs, in dem wir uns tief in abstrakte Materie bewegen werden.

Widmen wir uns einem modernen Fallbeispiel: Dj Consul (Name geändert) ist ein großer Musikliebhaber. Er hört privat viel Musik, legt amateurhaft auf und genießt Musik immer gnadenlos zu laut. (Nebenbei erwähnt, er ist ein ziemlich feiner Kerl mit einem offenkundig zu kleinem Kopf. Typ: Tagträumer-Nachtschwärmer. Gemeinsamkeiten mit realen Personen sind unbeabsichtigt und voll zufällig.) In Zeiten des iPods und der .mp3 hat er seine ganzen Cds, Lps und sogar Kassetten digitalisiert und verwaltet diese mit iTunes. Das erlaubt ihm die weitest reichenden Möglichkeiten, seine Musik zu sortieren. Dj Consul hat eine undurchschaubare Gesamtmenge an Musik und das ist das Problem: Jede Sekunde seines Daseins sucht sein Ich nach dem passenden Ausdruck für die Wirklichkeit im Sein (oder war es das Sein in der Wirklichkeit?). Auf jeden Fall wirkt sich das innere Perpetuum Mobile auch auf die Musikwirklichkeit aus. Jede Sekunde auf der Suche nach dem perfekten Lied für den Augenblick. Und dann die drängende, unumgängliche Frage, welches Lied danach kommt! Dieses Phänomen wird „Soundtracking“ genannt. Ein Teufelskreis. Auswirkungen des Soundtrackings sind vor allem Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit, Trance, Vereinsamung, Bewusstseinserweiterung, Größenwahn und Paranoia. Als Beispiele möchte ich hier den Typ um die 40 anführen, der die Heidelberger Plöck gerne mittags wie ein Wahnsinniger mit seinem klapprigen Damenrad entlang heizt, den 80iger-Jahre-Walkman auf Anschlag in den Ohren und dazu lautstark den 70iger-Jahre-Schlager mitsingt. Des weiteren das Mädchen, das in Werlte immer vom alten WEZ kommend durch die Passage ging. Sie hatte auch einen Walkman auf vollen Anschlag im Kopf und trällerte die Liebeslieder mit, aber immer nur in dieser Passage, weil es dort durch die winkelige Architektur ein Latenzecho gibt, das ihrem Gesang einen Halleffekt verlieh. In Berlin, Kreuzberg soll ebenfalls ein Betroffener zu Rad sein Unwesen treiben, indem er wahllos Passanten grüßt! Luftgitarre spielen, Instrumente mitsingen, ständig Kopfhörer zu tragen, als wäre man damit befreundet, Tanzen wie die Musen Dionysos´ sind fortgeschrittene Symptome des Soundtackings. Zurück zum Problem: Dj Consul kennt sich in seiner Musikwelt sehr gut aus, Soundtracking bereitet ihm Freude und er hat sein Soundtracking und die negativen Folgen noch unter Kontrolle. Er möchte Kunst schaffen, und seine Musikwelt in seine greifbare Wirklichkeit transponieren. Früher sagte man „ein Tape aufzunehmen“, heute ist es im Sprachgebrauch geläufiger den Ausdruck „eine Playlist zu exportieren“ zu verwenden. „High Fidelity“ von Nick Hornby ist ein hervorragendes Buch, das sich eindringlichst mit der Materie des „Tape Recording“ beschäftigt und mir endlich die Überleitung zurück zum roten Faden erlaubt. Dj Consul möchte im Grunde „Tapes“ aufnehmen, also Playlists, die seine musikalischen Assoziationen und Verkettungen widerspiegeln. Nick Hornbys Protagonist in „High Fidelity“ arbeitet in einem Plattenladen. Dort sind Platten meist alphabetisch und/oder auch nach Genres. Die Lösung, die Hornby in seinem Roman vorschlägt, ist eine biographische Sortierung. Die praktische Anwendung dieser Methode ist bei Platten und Cds von ganzen Alben sicher möglich, jedoch reicht sie Dj Consul nicht aus. Er möchte Lieder katalogisieren, nicht Alben ordnen. Kassetten boten zu ihrer Zeit die Möglichkeit das gleiche Lied auf verschiedenen Kassetten und hinter oder vor anderen Liedern zu platzieren. Diese Möglichkeit, private „Mixe“ zu erstellen, erlebte erst nach dem Preisverfall von beschreibbaren Cd-Rohlingen und dem der nötigen Hardware eine Renaissance. Diese Methode setze sich jedoch nicht gänzlich durch und ist durch die Fortgeschrittene Hardwaretechnik nicht mehr zeitgemäß. Heutzutage sind .mp3-Player billige Massenware, bieten jedoch umso vielfältigere Möglichkeiten „Tapes“ oder „Mixes“ zu erstellen. Dj Consul nahe stehende Kreise bezeugen, dass er sich ausgiebig mit den verschiedenen Möglichkeiten von Sortierungen befasst hat und inzwischen als Koryphäe auf diesem Gebiet gefeiert wird. Gehen wir nun auf den Lösungsweg ein, den Dj Consul als den vielversprechendsten bewertet. „Bei den verfluchten Gräbern von Börgermoor, wenn das nicht funktioniert, bring ich mich um!“, waren seine genauen Worte. Zuerst schafft man sich ein isoliertes Umfeld, das an angenehmer Gemütlichkeit nicht spart. Diffuses Licht, zum Beispiel Kerzen oder farbige Lampen, um die Atmosphäre zu dämpfen. Man sollte für diese Art der Katalogisierung viel Zeit einberechnen und seinen Lebensrhythmus auf diese ernsthafte Unternehmung ausrichten. Es sollten zur vollkommenen Konzentration auf die musikalischen Hürden, entsprechende Hilfsmittel zur Hand sein: Chips, denn das Knabbern kann als Rettungsanker aus dem „stream of consciousness “ benutzt werden. Man schwebt tief in der Musik, hat jede Realität verlassen und plötzlich ist da dieses Knabbern und Rascheln. Es juckt am Rücken am Bauch, am Hals, an den Armen und auch in den Augen. Man öffnet die Augen und stellt fest, dass das ganze Bett voll gekrümelt ist und man Bauchschmerzen hat, weil man während „Stairway To Heaven“ von Led Zeppelin die ganze Tüte Sodbrennen-Chips verdrückt hat. Marihuana oder wahlweise Haschisch, damit man sich bei „Stairway To Heaven“ oder „Golden Core“ von Motorpsycho noch tiefer in den „stream of consciousness“ fallen lassen kann. Getränke gegen das Pappmaul. Tabak, weil der blaue Rauch so toll aussieht bei bestimmter Musik. Und weil wir salzige Chips haben, müssen wir als Konterpart auch Weingummi und Schokolade haben, die Weiße von Nestlé und die Vollmilch von Milka. Mit tiefrotem Schwarztee starten wir die Anfangszeremonie. Der Tee darf dafür ruhig etwas länger ziehen. Etwa eine Zigarettenlänge. Dj Consul betont, dass er seine selbst gedrehten Zigaretten etwas länger raucht, als der gewöhnliche Raucher seine Filterzigarette. Seine genauen Worte waren: „Deivel, noamol! Laat mi jüst die eene Kippe fattich rökn, annas wadd mi gnörrich un dann warr ick grell, datt ick di fort platt moakn wull!! Un dann setzt it watt, min Jung. Dann prügel ick di so tau Klump wie Schmidts Harm sine Tante ehr üggene Kat tau Brei moaket hav!!! Zum Mitschreiben: Wenn ich diese Kippe nicht komplett zu ende rauche, habe ich das Gefühl, das ich keine ganze Dosis Nikotin aufgenommen habe. Woraus folgt, dass ich noch eine rauchen will und zwar diesmal ganz! Daraus folgt, das ich der Kritik meiner Umwelt ausgesetzt bin, der zu folge ich einer ungehalten Nikotinsucht fröne. Dies wiederum hat zur Folge, dass ich nicht rauche. Und die Folge ist, ich bin unternikotinisiert und äußerst ungehalten. Also lass mich in Ruhe zu ende rauchen, der Tee ist noch nicht soweit!“ Kurz darauf erklärt Dj Consul mit dem heißen Tee in den Händen das Werkzeug: „Wir arbeiten mit iTunes, was uns zwar eine alphabetische Ordnung aufoktroyiert, dafür die Musikdateien automatisch verwaltet.“ Zuerst findet eine Filterung der Interpreten statt. Es wird ein Ordner für Interpreten angelegt und jeder Interpret bekommt eine Playlist, in die nur die gewünschten Lieder des jeweiligen Interpreten eingefügt werden. Diese erste Siebung kann nicht ohne Hindernisse stattfinden, wenn sich Kollaborationen verschiedener Interpreten in der Musiksammlung befinden! Darauf werde ich eventuell in einem späteren Meisterseminar zur Musiksammlung eingehen. Die Frage, ob ein Musikstück definitiv nur einem Künstler zugeordnet wird, alle Künstler ein gleiches Recht auf ein und dasselbe Lied haben oder ob dadurch eine neue Playlist für dies Zusammenarbeit angelegt wird, lässt sich meist nur im Einzelfall erörtern! Nun wird ein weiterer Ordner für Playlists angelegt und mit Genres beschriftet. Den einzelnen Lieder der Interpreten werden nun Genres zugeteilt. Die Kategorie der Genres lässt viel Freiraum für Kreativität, denn wenn sich Lieder nicht einem einzelnen oder bestimmten Genre zuordnen lassen, erfindet man eines. Wichtig ist nur, dass man nicht zu fein filtert. Zwar wird man nicht alles in grobe Richtungen einsortieren können, doch um homogene Mixes zu erstellen, sollte die schrittweise Siebung der Musik nicht vorschnell umgangen werden. Leicht läuft man Gefahr, sich in den Genres zu verlieren und unausgegorene Mixes anzulegen. Dabei kann es notwendig sein, sich ähnelnde Genre-Playlists zusammenzulegen. Hilfreich ist auch eine Playlist für schwer einzusortierende Musik anzulegen. Hat man die Interpreten anhand der Genres gefiltert und diese auf das Minimum zusammengekocht, kommen wir zum nächsten Schritt. Genres werden in Subgenres gesplittet. Diese orientieren sich an der Grundstimmung des Liedes. Ruhig, schnell, treibend, psychedelisch, sphärisch, traurig, fröhlich sind nur einige der unzähligen Möglichkeiten. Beim Abschluss dieses Vorgangs sind sicher unzählige Nächte dahin gegangen, aber wir haben einen sehr guten Überblick über unsere Musiksammlung und beste Voraussetzungen für ein gutes Tape! Bevor man sich an einen Mix oder an ein Tape, im Folgenden nur noch Mixtape genannt, wagt, sollte man sich grundlegende Fragen stellen. Für wen ist das Mixtape? Einen Freund? Eine Geliebte? Einem Jogger oder einem Whiskytrinker. Welche Stimmung und welche Wirkung soll es hervorrufen? Trost, Sehnsucht, Hoffnung,… Worauf möchte man hinaus? Wie entwickelt man die Spannung, die im Klimax gipfelt und wie lässt man die Eruption ausufern? Das klingt alles sehr sinnlich und ist es auch. Deswegen wird hier auch nur noch ein Geheimnis der intimen Techniken des Dj Consul verraten: „Musikhören ist wie Verliebtsein! Die Musik ist eine Dame. Man sollte ihr deswegen immer sehr genau zuhören! Wenn man Glück hat, findet man die Richtige.“

Ich bin ja ein freudiger Zugfahrer, doch in letzter Zeit geschieht es immer wieder, dass mich während der Fahrt Passagiere auf Glaubensfragen ansprechen. Vor einigen Wochen bin ich von Berlin zurück nach Heidelberg gefahren. Ich hatte mir am Ostbahnhof ein ganzes Abteil gesichert. Aber schon am Hauptbahnhof, eine Station später, gesellte sich ein älterer Herr zu mir und begann umgehend mich auf Schwäbisch in ein Gespräch zu verwickeln. Anfangs war das auch sehr unterhaltsam und ich lauschte seinen Erzählungen über Stuttgart, wo er als Kind mit seiner Familie vom Bodensee hinzog, Fußball und seiner Leidenschaft, die Konzerte seiner Stars (Helene Fischer, Kim Wilde, Santana, Chris DeBurgh, Chris Norman, Genesis, Police, um nur ein paar zu nennen) zu besuchen. Er berichtete von seiner Arbeit als Bahner, weswegen er nun für 20€ den ganzen Tag mit der Bahn rumkurven kann und vertraute mir an, wie schwer ihn der Verlust seiner Mutter getroffen hatte. Ich hielt ihn für sympathisch und seinen enormen Rededrang interpretierte ich als Unsicherheit. Eigentlich wollte ich auf der Fahrt schreiben, aber er hielt mich permanent davon ab, indem er einfach weiterredete und mich nicht aus dem Gespräch entließ. Es war auch kein Gespräch im eigentlichen Sinne, denn dazu hätte gehört, dass ich auch etwas gesagt hätte; dazu ließ er mir aber keine Gelegenheit. Nach zwei Stunden, in denen ich immer noch nichts gesagt hatte, kamen wir (oder besser: er) auf das Thema Religion und Gott. Er erzählte mir von Jesus, seinen Kumpels und dem heiligen Vater. Er schwärmte vom alten Papst, hielt die Pille für Sünde und gestand mir, dass er in seinem Leben nur ein Buch gelesen hätte: Die Bibel. Mittlerweile rutschte ich ungeduldig auf meinem Sitz herum und wurde unaufmerksam. Ich hätte mich am Liebsten in ein anderes Abteil umgesetzt, aber das fand ich unhöflich, schließlich wußte er, dass ich auch nach Frankfurt am Main wollte, weil ich ihm -dummerweise- gesagt hatte, dass ich auch dort umsteigen müsse. Unsympathisch wurde er mir, als er seine Whiskyflasche auspacke und sich somit der wahre Grund für seinen Redeschwall auftat: Er hatte ganz gut einen im Tee und mir war klar, je mehr er trank, umso mehr höre ich von seinem Gott! Sein erster Plastikbecher Whisky-Cola war schnell weggetrunken. Ich hatte es abgelehnt, auch etwas zu trinken. Ich wollte rauchen, mich bewegen oder zumindest in Ruhe meine Heimfahrt absitzen, aber dieser Schwabe ließ mich nicht! Ich erkannte Müdigkeit in seinen Augen und hoffte, dass er einschlief und ich mich zur Toilette und dann ins Bordbistro schleichen könnte. Und dann geschah das Wunder: Er nickte mitten im Satz weg! Erlösung, dachte ich. Ruhe, hoffte ich. Ich wollte schon gerade den allmächtigen Herrn loben und stand auf, um mich davon zu stehlen. Doch er schreckte auf und beendete seinen Satz, dem weitere folgten. Ich stand also in diesem Abteil und wollte ganz offensichtlich gehen, er saß an der Tür, machte aber keine Anstrengung mich durchzulassen. Ganz im Gegenteil; er redete weiter und weiter, als wäre sein Nickerchen nie gewesen. Es schien ihm nichts auszumachen, dass ich stand und er schien die Möglichkeit, dass ich zur Toilette müsse oder sonst wohin nicht einmal in Erwägung zu ziehen. Ich sagte, ihm dass ich zur Toilette müsse und fragte, ob er mir Platz machen könne. Ohne darauf zu antworten, reagierte er, redete aber weiter… Ich ging dann einfach und schmiedete den Plan, dass ich mich ins Bistro absetzen würde, in der Hoffnung, dass er einschlafen würde und ich erst kurz vor Frankfurt wieder mit ihm in Kontakt treten müsse. Jedoch machte ich einen grundlegenden Fehler: Ich wählte den falschen Weg zur Toilette! Um ins Bistro zu gelangen, musste ich wieder an unserem Abteil vorbei… Ich ließ mir Zeit. Hoffte, er wäre eingeschlafen, wenn ich mich daran vorbeischlich.. Leise und vorsichtig näherte ich mich dem Abteil und versuchte unbemerkt hinein zu sehen, aber er erblickte mich, grüßte mich und öffnete mir die Tür! Mist, verfluchter. Ich setzte mich wieder hinein und plante meine Flucht ins Bistro, während er mir davon berichtete, dass Gott, sein Sohn und der heilige Geist meine Freunde seien. Still murmelte ich, wenn es einen Gott gäbe, wärest Du bei Deiner Mutter und nicht hier! Ich erschrak vor mir selbst und meiner Gehässigkeit. Irgendwo auf meiner Stirn scheint geschrieben zu stehen, dass man mich vollquatschend kann. Ich rieb daran rum. Inzwischen hatte der Christ seinen Koffer geöffnet, aus dem er auch seinen Whisky geholt hatte, und ich hoffte, dass er nicht noch mehr Alkoholika zum Vorschein brachte. Das tat er nicht, jedoch wollte er das Brot mit mir brechen. Er packte Brot, Schinken, Butter, Messer, Frühstücksbrettchen und alles sonstige aus. Er bot mir zu Essen an, aber ich bedankte mich und lehnte mit den Worten ab: „Danke, ich habe keinen Hunger. Habe vorhin noch gegessen!“ Während ich das sagte, protestiere mein Magen laut. In Wirklichkeit hatte noch nichts gegessen, ich hatte Riesenhunger, doch ich wollte nichts von ihm! Ich verfluchte meine vorlaute Art, denn nachdem ich gesagt hatte, dass ich keinen Hunger habe, war jeglicher Grund, jedes Argument, warum ich ins Bistro gehen könnte, entkräftet! Ich ergab mich meinem Schicksal. Das Abteil stank nach Alkohol, Schinken und Senf und ich hörte ihm bis Frankfurt beim Reden und temporären Schnarchen zu.

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Letztens war ich auf dem Weg ins Emsland, um meine Familie zu besuchen. Ich stieg in Heidelberg in den Zug und setzte mich zu einer Dame gesetzteren Alters ins Abteil. Sie legte gleich ihr Buch beiseite und wir plauschten kurz übers Wetter, was heute ausgesprochen schön war! Plötzlich passierte es, sie bemerkte, was mir auf die Stirn geschrieben stand! Ich bemerkte es daran, wie sie mit ihren Fingern auf ihrem Buch herumtippte. Sie erzählte, wo sie wohnt, was sie macht und wie sie dazu kam. Sie ist Referentin für eine überkonfessionelle Irgendwas und hat ne Ausbildung auf einer Jüngerschule oder so in Bayern gemacht… Oh Gott, dachte ich. er der könnte mir auch nicht mehr helfen. Sie erzählte von ihrem Studium, dass sie abgebrochen hatte, von ihrem leben als Stewardess, von ihrer Scheidung und ihren Suizidgedanken; die mich dann auch überkamen. Sie berichtete, wie der Glaube sie davor bewahrt hatte und ihr ein neues Leben geschenkt hätte. Interessanterweise sagte sie das Gleiche wie der Herr zwischen Berlin und Frankfurt: „Dies ist ja nicht das richtige leben, das kommt erst noch!“ Und wieder brannte mir der Satz auf der Zunge, dass man sich dessen nicht sicher sein kann, dass es aber inzwischen anerkannt und philosophisch so gut wie erwiesen sei, dass es ein Leben vor dem Tod gäbe. Wieder verkniff ich mir den Zynismus, mein Gehirn schaltete aber sofort auf Durchzug. Sie plapperte und sprach davon, dass es kein Zufall sei, dass ich in dem Abteil sitze! Als ich reingekommen wäre, hätte sie sofort gewusst, dass sie mir etwas von Gott ausrichten solle! Ich fragte mich, warum er nicht selber anrufen könne. Wer ist denn dieser Gott!? Schickt Leute in die Züge, um mir Dinge von ihm auszurichten zu lassen… Auch diese Christin fuhr bis Frankfurt. Dort angekommen, zog sie einen weißen Mantel an und legte sich einen weißen Schal um. Sie sah aus wie ein Engel, ein alter Engel und ihre Worte zum Abschied waren: „Er kennt Dich! Jesus weiß, wer Du bist und was Du suchst!“ Ich fragte mich, ob er, sein Vater, der heilige Geist oder diese gesandte Botin wussten, dass ich Stunden zuvor erst vom „Teufel“, meinem Arbeitsplatz, zurückkam.. War das der Grund, weshalb Gott mir was ausrichten lässt?

Den Rest der Bahnfahrt drängten sich mir weitere Fragen auf: Wieso schickt Gott seine Schäfchen in die Bahn zum Missionieren? Sind Bahnfahrer im Besonderen zu bekehren oder deren Seelen zu erretten? Ist Gott Lokführer oder Zugchef oder hat er eine UmweltBahnCard? Wahrscheinlich nicht. Gott hat sicher die goldene BahnCard und einen Werbevertrag mit dem Herrn Mehdorn abgeschlossen. So dass Gott für seinen Verein in der Bahn werben darf und Mehdorns Züge auf wundersame Weise alle gleichviel Verspätung haben, wodurch niemand einen mehr Zug verpasst. Wer zum Teufel ist denn dieser Gott, was denkt er sich bloß dabei und vor allem, was will er ausgerechnet von mir?

Anlässlich meines neunundzwanzigsten Geburtstags gibt es nun das zu lesen, was ich an meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag geschrieben habe, worin auch zu den Geschehnissen an meinem vierundzwanzigsten Geburtstag Bezug genommen wird!

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Der Tag, an dem ich meinen Computer aus einer pandimensionalen Zeitschleife befreite war im Großen und Ganzen mein Geburtstag: Mein fünfundzwanzigster!

Ich verbrachte den ganzen Nachmittag im Bett. Ich zog mir nur kurz den alten, weißen Bademantel über, als ich die Treppen herunterging, um im Briefkasten nach Post zu sehen. Doch ich konnte nur den täglichen Brief an meine Mitbewohnerin bergen. Wieder oben angekommen sah ich in den Spiegel. In dem Bademantel sah ich aus wie ein Schlachter! Die vielen Teeflecken wirkten wie geronnenes Blut, weswegen ich beschloss den Bademantel endlich seiner letzten Bestimmung zu kommen zu lassen..

Stunden zuvor beauftragte ich meinen PC, die CD, die ich in seinen Schlund beförderte, auf der Festplatte zu speichern, um die Früchte intensivster Internetrecherge und monatelangen Suchens zu ernten, woraufhin sich mein PC in gewissenhaftes Summen und konzentriertes Schnarren zurückzog. Es schien ein ruhiger Tag zu werden..

Die Minuten verstrichen wie Sekunden und ich verbrachte die Zeit hauptsächlich damit, an das Mädchen zu denken, das eine Woche zuvor aus voller Brust und reiner Seele für mich gesungen hatte.

Wie dem auch sei, Zeit verging, aber nichts passierte! Die Sonne war schon im Endspurt ihres Halbkreises, bis ich entschloss, so könnte es nicht weiter gehen! Der PC müsste doch inzwischen seine Arbeit getan haben.. Ich knuffte die Maus und während ich darauf wartete, dass mein PC sein Auge öffnete, wollte ich die CD aus seinem Rachen entladen, als mich plötzlich ein blauer Bildschirm panisch darauf hinwies, dass irgendwas nicht normal war!

In solchen Augenblicken setzt man sich erst mal hin und macht sich einen Kopf..
Es flutschte und das Telefon klingelte. Die lieben Eltern. Wie immer gibt’s zuerst einen „Dialog“ mit der Überschrift „Fortschritt des Studiums“, daran schloss der zweite Teil „Geburtstag“ an; der zweite Teil beschränkte sich hauptsächlich auf meinen vierundzwanzigsten Geburtstag:
Damals klingelte ebenfalls das Telefon und mein Bruder gratulierte mir. Während er das tat, hörte ich gleichzeitig meine Türklingel im Hausflur und im Telefonhörer. Bevor ich zu der Schlussfolgerung kam und sie am Telefon meinem Bruder mitteilte, dass er es war, dem ich die Türe geöffnet hatte, hatte ich sie schon geöffnet…
Er sagte nur noch, er sei aber nicht allein und das Gespräch war beendet! Ich hörte mindestens sechs Füße die Treppen raufkommen.. Ich hatte kein Problem damit, meinem Bruder, meiner Schwester und meiner Mutter zu zeigen, was ich von unangemeldeten Besuchen und unerwarteten Überraschungen generell hielt!
Seitdem muss ich Seitenhiebe auf Kosten meiner Gastfreundlichkeit hinnehmen, die immer mit diesem Satz enden: „Wir würden Dich ja gerne besuchen kommen, aber wir dürfen ja nicht!“

Nach den telefonischen Gratulationen zu meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag und den obligatorischen Sticheleien, die erwartungsgemäß eben jenem Satz endeten, hatte das blaue Auge der Flimmerkiste die panische Hektik abgelegt und blickte wie gelähmt ins Nichts.

Ich fragte mich, ob man sich andauernd um solche Dinge einen Kopf machen müsste oder ob ich ein heißes Bad nehmen sollte, um endlich aus dem Pyjama herauszukommen.
Ich beantwortete beides mit „Ja“, ließ Wasser in die Wanne und blies den blauen Rauch über den blauen Bildschirm, während ich die „Esc“-Taste drückte.

Die Nacht war hart! Ich war in der Bar. Dort gab es Katzennachwuchs und die kleinen Biester flitzen überall herum. Aus Angst, die Kleinen könnten zertreten werden, wurde ein Schild aufgehängt.


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Außer den üblichen Verdächtigen war niemand da und so ergab ich mich dem ewigen Schicksal als Zuhörer. Ein junger Stammgast, wollte seine Geschichte loswerden und erzählte von seinem Vater. Dazu pseudosentimentales Geplänkel… Gelangweilt und mit der Notiz im Kopf, mich das nächste Mal von dem Typen fernzuhalten, ging ich irgendwann heim. Hellwach, doch kein Schlaf, der mich erlöste.



17:05

Ankunft in Köln:Ich wollte mich mit meinen Emsköppen treffen, doch es hat niemand Zeit. Also sitze ich alleine vorm Dom. Plötzlich ein freundliches „Hallo“ von hinten. Der Tonfall klingt, als hätte mich jemand erkannt. Ich drehe mich um, sehe aber niemand bekannten. Das Gesicht zur Stimme sieht nett aus, weswegen ich ich die Frage bejahe, ob sie sich neben mich setzen darf. Kaum sitzt sie neben mir, zückt sie eine Werbematerial und will mich von ihrer Hilfsorganisation überzeugen! „In die Falle getappt,“ denke ich, während sie mir bereits skizziert, worum es geht. Sie will Geld, keine Unterschrift. Geld, um bedürftigen Familien in der 3.Welt trächtige Kühe zu schenken! Keine schlechte Idee, aber da hat sie einfach den falschen erwischt. Ich falle ihr ins Wort und reisse das Gespräch an mich. Ich erkläre ihr, dass ich es für unverantwortlich halte, trächtige Kühe an Arme und Bedürftige zu verschenken, weil die gemeine Kuh ein hochaggressives, sehr gefährliches Tier ist und gerade während deer Trachtzeit und auch nach der Geburt des Kalbs völlig unberechenbar ist und insofern eine massive Gefahr für Leib und Leben darstellt. Sichtlich irritiert bedankt und verabschiedet sie sich mit vorgefertigten Floskeln und einem Gesichtsausdruck voller Unverständnis bei/von mir.


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17:48

Es geht tiefer in den Norden. Wieder fand ich ohne Probleme einen gemütlichen Raucherplatz. Ob es ander Kleidung oder am Aussehen liegt, weiß ich nicht, aber schon jetzt erkenne ich, wer mit ins Moor der norddeutschen Tiefebene fährt.Wie immer Soldaten an Board. Sie unterhalten sich über das blinde Zerlegen eines G36. Das wird wohl ein Maschinengewehr sein, denke ich mir. Sie prahlen mit Ihren Zerlegezeiten und meine Gedanken kreisen um die Vorstellung, was wäre, wenn ich bei der Bundeswehr gelandet wäre: Zelten im Wald, Biertrinken, mit echten Waffen ballern, Panzer fahren,… In meiner Vorstellung ein lustiges Freizeitcamp. Hätte ich das lieber gemacht, als orientierungslose, alte Damen durch die Gegend zu kutschieren, Körperpflege von Behinderten und die Büroarbeit für meine inkompetenten Vorgesetzten? Vielleicht wäre ich dann jetzt Kampfjetpilot… Undenkbar!

18:18

Düsseldorf. Ich schreibe Notizen nieder. Fridolin blickt mich an (siehe Bild). Er begleitet mich seit Jahren auf fast allen InterCity-Reisen und irgendwann habe ich ihn Fridolin getauft.


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19:28

Bin gleich in Münster. Die Häuser sehen hier anders aus. Backstein gefällt mir besser als die verputzten Häuser im Süden. Ich bin in der norddeutschen Tiefebene.

19:46

Maisfelder und scheinbar unendliche Weiten. Mich wundert, dass das Wetter so gut ist.

19:50

Immer noch kein W-Lan-Netz empfangen, dafür Moby im Ohr passend zum farbenprächtigen Sonnenuntergang.

20:01

Wir verlassen Rheine. Noch zwei Haltestellen, dann bin ich in der Stadt, die sich auf „Deppen“ reimt. Hier habe ich viel Zeit verbracht. Das Haus in der Marktstiege 43 soll schon lange abgerissen sein. Das waren wilde Jahre.. 20 km zum nächsten CoffeeShop in Emmen (NL), ekstatische Parties, entrückte und verrückte Menschen. Wo mögen die alle geblieben sein? Mit den wichtigen bin ich zwar noch in Kontakt, aber der Rest ist untergegangen oder untergetaucht.Die Häuser an den schienen werden spärlicher. Es überwiegen Äcker, Wälder und Land(wirt)schaft. Es sitzen nur noch Emsländer und Ostfriesen im Zug; nur wenige Plätze sind belegt. Es sind genau die Gesichter, die ich erwartet habe. Gleich noch eine halbe Stunde im Auto, dann bin ich wieder dort, von wo aus ich so weit weg wollte.


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20:14

Nun sind wir im Emsland. Zwei Sonnen starhlen mich an. Die echte und ihr Spiegelbild. Das Atomkraftwerk erinnnert mich an Spargel! Hier in Lingen sind die leute sehr stolz, dass ihr Spargel immer zwei Wochen früher fertig ist. Das liegt am warmen Kühlwasser des AKWs, das die Umgebung entscheidende zwei/drei Grad erwärmt, so dass der Spargel schneller reifen kann.

20:30

Inzwischen sind mehr Windkrafträder als Häuser zu sehen.

20:38

Ich steige in Meppen aus und werde von meinem Vater abgeholt. Jetzt noch eine halbe Stunde mit dem Auto, dann ist die Reise zuende.Im Auto erblicke ich plötzlich beim Überqueren der Nordradde einen wunderbaren Bodennebel und sage: „Wenn Du kannst, fahre rechts ran.“ In meiner Fotomanie wollte ich die Landschaft knipsen, um die Bilder hier zu veröffentlichen. Mein Vater, schwerhörig, verstand nur: „Fahr rechts ran“, und trat erschrocken und irritiert in die Bremsen!! „So war das nicht gemeint“, und bis ich ihm erklärt hatte, dass es sich nicht um einen Notfall, sondern um ein Bild handelte, war die Szenerie lang vorbei.



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21:17

Ankunft in Werlte. Steter Wandel. Bauliche Neuerungen, die das Dörfchen weiter verunstalten. Daheim: Famileienessen.

22:38

Ich gehe in den Garten, um eine Zigarette zu rauchen. Die Nacht ist sternenklar, die Luft feucht und mild. Vom ganzen Sitzen sind die Füße ganz taub. Ich gehe auf und ab, rauche noch eine und stelle fest, je länger man in die Sterne schaut, umso mehr werden es.

22:59

Ich hole mir einen GArtenstuhl und platziere ihn mitten auf der Rasenfläche. Ich lege mich hinein und blicke in die Sterne. Was sich einem bei so einem Blick auftut, kann man und sollte man nicht versuchen, in Worte zu fassen.

23:54

Es ist frisch geworden und ein brummendes Auto auf der entfernten Landstrasse holt mich auf die Erde zurück. ich gehe ins Haus.

23:55

Ich komme mit einer Decke und Musik wieder raus. Ich mache es mir unterm Himmelszelt gemütlich und stelle fest: Die erde hat sich gedreht! Die Sternenkonstelation, die ich gegen zwanzig vor elf beobachtet habe, hat innzischen eine anddere Position am Horizont. Zugegeben, es ist derweil allgemein bekannt, dass die Erde sich dreht. Dennoch ist es spektakulär, Zeuge kosmischer Bewegung zu sein. Solche Beobachtungen holen einen zurück in die Wirklichkeit und beseelen den Beobachter mit einem Gefühl von der Richtigkeit aller Dinge und als wäre das nicht genug warmes Kribbeln im Bauch, erklingt „The Golden Core“ über die Musikknöpfe in den Ohren.Ich falle tief in die Sterne, ob sie mir wohl noch mehr Geheimnisse preisgeben? Es scheinen immer mehr zu werden. Worte wie Bestimmung, Schicksal, Zufall, Möglichkeit und Sinn schiessen mir durch den Kopf. Die grummenden Klänge klingen wie das steinige Grummen der Erddrehung. Ich lasse gestirn und Musik freien Lauf- lasse es willenlos über mich ergehen. Alle Luken sind geöffnet, alle Sensoren auf Empfang. Plötzlich, aber bewußt ein Augenzwinern der Nacht: Eine Sternschnuppe!

02:00

Ich lag noch eine Weile in den Sternen versunken im Garten, bis schließlich Wolken wie ein Vorhang vor die Bühne zogen und ich mit dem wohlig behüteten Gefühl auf die Erde zurückkam, drei Sternschnuppen in einer Woche gesehen zu haben.



Es ist wieder spät. Ich bin müde. Der ganze Tage zog plätschernd an mir vorbei. Zeit für Schlaf. Meine Gedanken schweifen ins Leere, lassen sich nicht mehr fassen und fast schon im Traum bin ich unterwegs durch die Straßen… Ich gehe schwankend. Nur die Straßenlaternen; kurz vor Zwielicht. Ich schrecke auf, bin wieder wach. Käfer ditschen an meine Wand. Immer wenn Insekten ins Zimmer drängen, beginnt es gleich zu regnen. Ich bin wach. Ich rauche eine, trinke Wasser. Ich bin müde, will schlafen. Ich muss schlafen. Ich bin noch wacher. Vielleicht ein ermüdender Spaziergang… Es regnet. Ich schliesse das Fenster. Mache frustriert das TV an. Wütend schalte ich es wieder aus. Musik! Und dann auf die Träume, fertig…, los! Wo war ich? Unterwegs… die Straße, das Licht. Dämmer beschleicht mich, Gedankenfarbe fließt in Traumklang. Die Geräusche der an die Wand klatschenden Käfer werden zu Schritten. Ich bin nicht allein! Das Bild von einem schwarzen Zauberzylinder huscht durch mein Bewusstsein. Die Frage, was die Hand eines Zauberers da herausholen würde, weicht unvermittelt einer steinharten Antwort. Reihenhaus. Ich bin wach. Es hat aufgehört zu regnen. Während ich das Fenster wieder öffne, um die Insekten rauszulassen, bemerke ich, dass die Morgendämmerung wesentlich schöner klingt, als sie sich anfühlt! Es ist wieder früh. Ich bin müde.