Mit ‘Hitze’ getaggte Beiträge

Feuer, meine lieben Freunde, ist kein Spielzeug! Das wissen wir alle. Dass Feuer wirklich kein Spielzeug ist, wurde mir erst kürzlich durch einen kontrollierbaren Küchenbrand demonstriert:

Es war Nacht, aber die Luft kochte. Ich schätze, dass ich gegen halb fünf heimkam. Ich hatte in der Bar gearbeitet und war bestimmt nicht mehr ganz nüchtern. Aber ich hatte Hunger und tiefgefrorene Hähnchenbrüste im Kühlschrank. Herd an, Öl in die Pfanne und die Hähnchendingens rein. Ordentlich Hitze und dann schnell die Glotze an. Zwei Minuten später war ich wieder am Herd. Das Fett begann langsam zu brutzeln. Ich suchte einen passenden Deckel, fand aber keinen. “Na gut. Erstmal den Herd von Zwölf auf Eins gestellt.” Wer meine Küche nämlich kennt, weiß dass die 12er-Platte, die derbe SchnellkochUltraheissRotglüh-Platte ist. “Sicher ist sicher, mit so einem Fettbrand ist nicht zu spaßen“, dachte ich und wendete die gefrorenen Vogelstücke. Dann legte ich diesen Fettspritzschutz über die Pfanne. Wie mag das Teil wohl wirklich heißen? Wisst ihr, was ich meine? Kreisrund, daran ein Stiel und es ist mit einem Metallsieb bespannt. Es passt hervorragend über eine Pfanne, aber vor Fettspritzern schützt es nicht. Deshalb legt ich noch einen unpassenden Deckel drauf und ging wieder vor die Glotze. Irgendwann roch es lecker und und wollte meine Mahlzeit inspizieren. Ich kämpfte mich durch etwas Rauch und bemerkte umgehend, dass meine Mahlzeit krosser ausfallen würde als geplant. Ich stellte den Herd von Eins auf Null, nahm die Pfanne vom Herd, entfernte meine Deckelkonstruktion. Ich setze die Pfanne ab, holte mir einen Teller, nahm die Pfanne und zack war es da! Etwas Fett und Wasser sind wohl auf die Herdplatte und es gab eine spontane Selbstentzündung! Was für ein toller Begriff! Welch ein tolles Feuer. Ich war fasziniert, starrte auf die 20 bis 30 Zentimeter große Flamme und hielt in der rechten Hand die fettspritzende Pfanne und mit der linken stocherte ich mit einer Gabel nach meinem heißen Hähnchen. Nachdem ich den Begriff ”spontane Selbstentzündung“ noch einmal auf meiner Zunge schmelzen ließ und beim Blick in die lodernd warme Flamme den Hergang rekonstruierte, dachte ich sofort: ”Kein Wasser!“ Ich stellte die Pfanne ab und dachte einen Augenblick über eine Löschdecke nach. Der Gedanke, wie praktisch Löschdecken wären und dass sie im Funktionsumfang sich deutlich von Handtüchern abhoben (vgl. D. Adams) endete mit der Erkenntnis: ”Wir haben keine.“ Deckel drauflegen? -Würde nicht passen und ist voller Wasser und Fett. In diesem Augenblick wurde mir klar, welchen Vorteil Handtücher gegenüber Löschdecken haben: Wir haben welche! Das erste Handtuch, das ich erspähte, war ein Trockentuch. Es war alt, ausgefranst und hatte große Löcher. ”Wenn ich es darauflege, deckt es nicht den ganzen Brand, durch die Löcher könnten die Flammen schlagen und das Tuch entfachen. Ich sollte es nass machen!“ An diesem Punkt möchte ich kurz einfügen, dass ich grandiose Lehrmeister im Umgang mit Feuer hatte! Es liegt mir sogar in den Genen, denn mein Opa war Schmied. Und seit meiner Kindheit habe ich ein großes Interesse an der Chemie, was zu sehr vielen Experimenten mit und über den Umgang mit Feuer geführt hat. Besonders erwähnen möchte ich hier Kurt und Benny. Sie waren und sind große Freunde des Energieplasmas und haben mir vieles beigebracht. Und natürlich meinen Chemielehrer Herrn Maucher! Er war für mich der Salvador Dali der Chemie, ein Virtuose der Elemente und mein absoluter Lieblingslehrer. Aber genug Lobhudelei, denn ich möchte den Spannungsbögen an dieser Stelle unterbrechen. Ich machte das Handtuch natürlich nicht nass! Ich besann mich auf mein Wissen und blies die Flamme, die inzwischen nicht mehr bedrohlich aussah, kurzerhand aus. Die Geschichte hat jedoch kein Happy-End. Die ”spontane Selbstentzündung“ schreit nach einem weiteren Versuch. Aber Feuer, Freunde, ist kein Spielzeug.

Das Wetter war sehr schwül, schon seit Tagen staute sich die Hitze unter der Wolkendecke und die Luft konnte man schneiden. Ich arbeitete in meiner Spelunke, dort war die Luft noch schlechter. Mein Blut schwamm im Alkohol und mein Körper fühlte sich von innen an wie ein verklebter Blasebalg.

Weit nach Ladenschluss knallte ich meinen Ellenbogen auf die Theke und dreht meine Mütze wie Stallone in “Over the Top”. Ich ließ meinen Motor an und hoffte, dass jemand mich herausforderte. Und tatsächlich: Es war Zwei-Finger-Joe! Dieser hat interessanterweise zwei Finger und einen Daumen, zudem ist er Linkshänder! Ich fragte mich, was ich tun würde? Wird er mich besiegen? Soll ich ihn gewinnen lassen? Darf ich diese Hand wirklich belasten? Erstaunlicherweise schmiegten sich seine zwei Finger und der Daumen perfekt zum Armdrücken in meine linke Fünf-Finger-Hand. Wird er vielleicht amtierender Vizeweltmeister im Paralympischen Armdrücken sein und meine schwache, linke Hand hart auf die Holztheke schmettern? Wir sahen uns an und ein Nicken startete den Kampf! Sofort spürte ich seine Butterarme und ohne einen Anflug der eingangs erwähnten Zweifel, besiegte ich ihn souverän.

Zu diesem Zeitpunkt -ungefähr- setze ein lauer, kurzer Regen ein. Man atmete die kondensierende Nässe, bis sich die Luft wieder knapp unter den Saturiertheitslevel (für die Aufnahme von Feuchtigkeit) ausgeregnet hatte. Kurz darauf wurde es dann wieder schwüler!

Am nächsten Abend. Es war immer noch schwül, aber nicht mehr so heiß. Es war den ganzen Tag bedeckt und ich habe mich wie ein kleines Kind auf ein tolles Gewitter gefreut. Es zogen auch dunkle Wolken auf, doch es blieb bei kleinen, angenehmen Schauern.

Die folgende Szenerie fand draußen statt. Eine überdachte Veranda und eine Einweihungsparty mit netten, nicht zu vielen Gästen. Es gab auch Räumlichkeiten, die ich aber nur einmal kurz erwähnen werde. Irgendwann kam jemand aus eben diesen Räumlichkeiten, die nun wirklich keine weitere Rolle in diesem und auch in keinen weiteren Abschnitten spielen werden, heraus gestolpert. Kurz vorher hatte jemand die Musik gewechselt und das Gesprächsthema draußen war: Ist das Goa? Oder hat diese Musik eine andere Bezeichnung, die man sich merken muss, um weiteren Kontakt damit zu vermeiden. Also fragte ich diesen Jemand, ob die Musik Goa sei. Er sagte, es sei Goa und in diesem Augenblick war mir klar, er war derjenige, der verantwortlich für den Musikwechsel war und ich wusste, wenn ich in diesem Augenblick nicht reagiere, wird dieser Hippie mir ein Gespräch über Goa aufzwingen! Reflexartig wendete ich mich meiner charmanten Begleitung zu, und er ließ von mir ab. Er, barfuß und in erdfarbenen Tönen gekleidet, gesellte sich ans andere Ende des Tisches. Geteilte Plaudereien rundum den Tisch plätscherten so vor sich hin, doch immer wieder ließ dieser Mensch mich aufhorchen. Da war irgendwas, da lag etwas in seiner Stimme.. oder eben nicht.. War es ein Sprachfehler? Immer wieder versuchte ich mittels Cocktailpartyeffekt bei ihm reinzuhören. Doch seine Stimme war leise, er lispelte und es waren mehr als ein Sprachfehler, die diese kleine Stimme ausmachte. Ich sah seine Zuhörer an, sie hingen gebannt an seinen Lippen. Hatte er Wichtiges zu berichten? Wie findet er Gehör? Soll ich auch so tun, als wäre ich gebannt und ihm zuhören, schließlich hat er eine Sprachbehinderung..? Ein fast Stimmloser, vielleicht kann er wahrlich Großes erzählen..? Welch ein Symbol! Das Wort “Level” fiel öfters und diffuse Zeitangaben.. Ging es hier um Meditationen, Bewusstseinsebenen? Er sah aus wie diese Goa-Hippies nun mal aussehen. Beim wiederholten Mithören und Gebannt-auf-seine-Lippen-schauen (sonst hätte ich gar nix verstanden) wurde mir klar, worüber er seit geraumer Zeit sprach: Es ging um sein Computerspiel, das er offensichtlich gerne spielt! Mein Blick schweifte schnell ab und streifte über seine Hörigen. Sie hatten Mitleid mit ihm und seiner Stimme, aber sie hörten ihm nicht zu, was ich gut nachvollziehen konnte.

Ich war enttäuscht und durchbrach diesen Teufelskreis, indem ich in dieser kondensierenden Nacht für Wodka-O sorgte!