Mit ‘Sternschnuppe’ getaggte Beiträge

Block 4

Veröffentlicht: 27. Februar 2009 in Lyrisches
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BLOCKVIER

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DaDaDa

Veröffentlicht: 8. November 2008 in kurz mitgeschrieben
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Patschnass aufgewacht. Der Schlaf war nicht erholsam. Böse Fieberträume. Schwindel und keine Kraft. Das Telefon klingelt, aber es ist niemand mit dem ich sprechen möchte. Kaffee. Mehr Schwindel. Puls rast. Musik. Nein, doch nicht. Kann nichts hören. Ich lege mich wieder hin.

Das Telefon weckt mich. Ich bin stark! Aber es geht mir nicht so gut wie ich es mir und den anderen wahr machen möchte. Gedanken auf Abwegen. Sie betätigen die falschen Schalter für die Achterbahn der Gefühle. Heiße und kalte Schauern zucken durch meinen Körper. Hunger, aber kein Appetit. Der Versuch, etwas Nahrhaftes herunterzukriegen, scheitert. Musik, mein einziger Freund. Ich verstehe Dich, doch ich kann Dich nicht hören! Oder höre ich Dich und verstehe Dich nicht?

Dieser lästige Sprühschiss! Mein Urin ist zu dunkel. Morgen hat der Arzt Zeit für mich. Morgen soll ich in meinen Geburtstag feiern! Geburtstage machen mich depressiv. Letztes Jahr ging es mir auch nicht gut. Am Schluss der Party saß ich auf dem Boden, völlig aufgelöst und weinte still vor mich hin. Nun werde ich 30! Alle reden von einem wichtigen Abschnitt im Leben. Doch was ist mit dem Leben, was ich will? Wo ist das Leben, was ich mir ausgesucht habe? Ich traue mich nicht zu fragen, ob es noch da ist! Warum ich nicht wusste, dass es so schwierig ist?? Ich wusste es ja! Es gibt halt auch Tiefen, in denen man Inspiration suchen sollte. 30. Ich habe keine Angst und keine Sorge vor dem nächsten Kapitel. Es sind Geburtstage im Generellen, die mich deprimieren. Man denkt über seine Freunde und sein Leben nach, fragt sich wohin man eigentlich will und was dazu geführt hat, dass man jetzt erst hier ist! Das verleitet halt immer zur philosophisch dümmsten Frage: „Was wäre, wenn…?“ Ein leichtes, überlegenes Grinsen: 30 ist nicht das Problem.

Das Telefon schreckt mich aus dem Trübsinn. Ich gehe ran, klinge verschlafen. Schön die Stimme noch mal zu hören, auch wenn es nur kurz ist. Sofort darauf wieder Telefon. Aber ich finde, ich muss heute nicht mit jedem reden! Weggedrückt. Nur weil mein Telefon Tag und Nacht an ist, heißt es ja nicht, dass mich jeder immer anrufen kann. Ich würde schon gerne mit ihnen reden, aber so nicht! Nicht heute! Ich bin ja auch online, will aber nicht gleich mit allen chatten und mich austauschen. Eine gefüllte Freundesliste macht noch keine wahren Freunde! Ich möchte folgende Statusmeldung in den Äther schicken: „Ich bin online, um Euch nah zu sein. Aber bitte lasst mich in Ruhe!“ Dieses Fieber ist ansteckend. Und es ist der Grund dafür, warum ich mich nicht traue, mich persönlich mitzuteilen. Quarantäne.

Musik geht inzwischen, Essen noch nicht. Kopfschmerzen pulsieren vom Gedankensalat. Ich muss aufhören, abschalten. Schließlich will ich mich nicht in Selbstmitleid suhlen! Wieder Telefon! Immer jemand anderes! Weggedrückt. Die Mittelchen zur dumpfen Betäubung sind sehr beschränkt. Der faule Pelz muss entfernt werden! Ich werde die Zähne putzen, mich dick einpacken und mit meinem einzigen Freund in die Wälder gehen.

_____

Die Luft war gut. Mild, duftend. Ein goldener Herbsttag. Es roch bekannt und nostalgisch. Nach zwei Schritten aus der Haustür, drehte ich um! Heute müssen die mystischen Plätze warten. Ich ging zurück in mein Zimmer und holte meine Taschenlampe und die fingerlosen Handschuhe. Dann ging es los, schnurstracks zum Schlangenweg hinauf. Ich fühlte mich wohl! Sehr wohl, obwohl mein Körper darüber anders gedacht hat! Aber der musste ja auch die ganze Arbeit machen. Mein Geist war amüsiert und gefüllt mit Musik.

Das Ziel war das alte Kloster auf dem Berg über der Thingstätte. Der Weg dorthin war länger als ich ihn in Erinnerung hatte. Und auch mein Geist hatte manchmal schwer zu arbeiten, um dorthin zu kommen. Eine erste längere Rast legte ich an der Thingstätte ein. Es dämmerte schon, als ich ankam. Aber es waren noch einige Leute da. Ich besann mich auf die Musik.

Im Halbdunkel ging ich zum Kloster hinauf. Das Tor war wie erhofft nicht verschlossen und mit der Taschenlampe suchte ich mir den Weg. Ich fand ein Plätzchen auf den Resten einer Wand am hintersten Ende. Auf die Mauern hätte ich mich gerne gesetzt oder in den Turm, aber bei den herrschenden Lichtverhältnissen sollte man am Boden bleiben. Ich bereitete alles vor und habe sicher wie ein blöder Prolet ausgesehen, als ich meinen Computer mitten in der Wildnis ausgepackt habe. „Wenn jemand lästert, kriege ich es nicht mit!“, dachte ich und setzte meine großen Kopfhörer auf. Mit einem Schlag war es dunkel und nur die grünen Buchstaben leuchteten zur Musik.

Manchmal ist es sehr schwer, Musik zu ertragen. Und manchmal kann man nichts anderes machen, als in sie zu versinken. In diesem Fall traf beides zu! Also schrieb ich und ließ mich fallen.

Diesmal gab es keine Sternschnuppen, der Himmel war bewölkt. Ich habe einmal gesagt, dass ich keine mehr bräuchte. Das hatte ich nun davon! Immerhin war es angenehm warm und tranig kamen die Worte ins Fließen.

Als irgendwann mein Telefon klingelte, ging ich ran! Besuch kündigte sich an und ich saß am anderen Ende der Stadt alleine auf einem Berg in einem Wald. Das Treffen wurde verschoben, bis ich wieder in der Zivilisation wäre. Ich packte zusammen. Legte mich noch einen Moment zurück, weil mein Rücken vom Schleppen und schlechten Sitzen vor dem Computer schmerzte und schloss die Augen. Waldgeräusche. Wind, Knacken, Fledermäuse, Rascheln. Satter Duft wurde mir in kleinen Brisen zugewedelt. Ich blieb eine kleine Weile und fühlte die Welt ohne Musik. Ein herrliches Gefühl!

Es verschwand beim Abstieg und machte Angst und Panik Platz. Die Taschenlampe war nutzlos, der Weg zuweilen gefährlich und steil. Undefinierbare Geräusche, schnelle Schatten, das Gefühl nicht allein zu sein und vom Wald beobachtet zu werden bescherte mir Gruseln. Als ich endlich am asphaltierten Philosophenweg ankam, war ich schweißgebadet. Stadtlichter, dann ging alles sehr schnell.

Ich bin zufrieden. Viel und tief frische Luft eingeatmet. Mein Arzt wird auch zufrieden sein, denn er wird morgen früh auf jeden Fall etwas finden.

Die Nacht war hart! Ich war in der Bar. Dort gab es Katzennachwuchs und die kleinen Biester flitzen überall herum. Aus Angst, die Kleinen könnten zertreten werden, wurde ein Schild aufgehängt.


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Außer den üblichen Verdächtigen war niemand da und so ergab ich mich dem ewigen Schicksal als Zuhörer. Ein junger Stammgast, wollte seine Geschichte loswerden und erzählte von seinem Vater. Dazu pseudosentimentales Geplänkel… Gelangweilt und mit der Notiz im Kopf, mich das nächste Mal von dem Typen fernzuhalten, ging ich irgendwann heim. Hellwach, doch kein Schlaf, der mich erlöste.



17:05

Ankunft in Köln:Ich wollte mich mit meinen Emsköppen treffen, doch es hat niemand Zeit. Also sitze ich alleine vorm Dom. Plötzlich ein freundliches „Hallo“ von hinten. Der Tonfall klingt, als hätte mich jemand erkannt. Ich drehe mich um, sehe aber niemand bekannten. Das Gesicht zur Stimme sieht nett aus, weswegen ich ich die Frage bejahe, ob sie sich neben mich setzen darf. Kaum sitzt sie neben mir, zückt sie eine Werbematerial und will mich von ihrer Hilfsorganisation überzeugen! „In die Falle getappt,“ denke ich, während sie mir bereits skizziert, worum es geht. Sie will Geld, keine Unterschrift. Geld, um bedürftigen Familien in der 3.Welt trächtige Kühe zu schenken! Keine schlechte Idee, aber da hat sie einfach den falschen erwischt. Ich falle ihr ins Wort und reisse das Gespräch an mich. Ich erkläre ihr, dass ich es für unverantwortlich halte, trächtige Kühe an Arme und Bedürftige zu verschenken, weil die gemeine Kuh ein hochaggressives, sehr gefährliches Tier ist und gerade während deer Trachtzeit und auch nach der Geburt des Kalbs völlig unberechenbar ist und insofern eine massive Gefahr für Leib und Leben darstellt. Sichtlich irritiert bedankt und verabschiedet sie sich mit vorgefertigten Floskeln und einem Gesichtsausdruck voller Unverständnis bei/von mir.


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17:48

Es geht tiefer in den Norden. Wieder fand ich ohne Probleme einen gemütlichen Raucherplatz. Ob es ander Kleidung oder am Aussehen liegt, weiß ich nicht, aber schon jetzt erkenne ich, wer mit ins Moor der norddeutschen Tiefebene fährt.Wie immer Soldaten an Board. Sie unterhalten sich über das blinde Zerlegen eines G36. Das wird wohl ein Maschinengewehr sein, denke ich mir. Sie prahlen mit Ihren Zerlegezeiten und meine Gedanken kreisen um die Vorstellung, was wäre, wenn ich bei der Bundeswehr gelandet wäre: Zelten im Wald, Biertrinken, mit echten Waffen ballern, Panzer fahren,… In meiner Vorstellung ein lustiges Freizeitcamp. Hätte ich das lieber gemacht, als orientierungslose, alte Damen durch die Gegend zu kutschieren, Körperpflege von Behinderten und die Büroarbeit für meine inkompetenten Vorgesetzten? Vielleicht wäre ich dann jetzt Kampfjetpilot… Undenkbar!

18:18

Düsseldorf. Ich schreibe Notizen nieder. Fridolin blickt mich an (siehe Bild). Er begleitet mich seit Jahren auf fast allen InterCity-Reisen und irgendwann habe ich ihn Fridolin getauft.


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19:28

Bin gleich in Münster. Die Häuser sehen hier anders aus. Backstein gefällt mir besser als die verputzten Häuser im Süden. Ich bin in der norddeutschen Tiefebene.

19:46

Maisfelder und scheinbar unendliche Weiten. Mich wundert, dass das Wetter so gut ist.

19:50

Immer noch kein W-Lan-Netz empfangen, dafür Moby im Ohr passend zum farbenprächtigen Sonnenuntergang.

20:01

Wir verlassen Rheine. Noch zwei Haltestellen, dann bin ich in der Stadt, die sich auf „Deppen“ reimt. Hier habe ich viel Zeit verbracht. Das Haus in der Marktstiege 43 soll schon lange abgerissen sein. Das waren wilde Jahre.. 20 km zum nächsten CoffeeShop in Emmen (NL), ekstatische Parties, entrückte und verrückte Menschen. Wo mögen die alle geblieben sein? Mit den wichtigen bin ich zwar noch in Kontakt, aber der Rest ist untergegangen oder untergetaucht.Die Häuser an den schienen werden spärlicher. Es überwiegen Äcker, Wälder und Land(wirt)schaft. Es sitzen nur noch Emsländer und Ostfriesen im Zug; nur wenige Plätze sind belegt. Es sind genau die Gesichter, die ich erwartet habe. Gleich noch eine halbe Stunde im Auto, dann bin ich wieder dort, von wo aus ich so weit weg wollte.


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20:14

Nun sind wir im Emsland. Zwei Sonnen starhlen mich an. Die echte und ihr Spiegelbild. Das Atomkraftwerk erinnnert mich an Spargel! Hier in Lingen sind die leute sehr stolz, dass ihr Spargel immer zwei Wochen früher fertig ist. Das liegt am warmen Kühlwasser des AKWs, das die Umgebung entscheidende zwei/drei Grad erwärmt, so dass der Spargel schneller reifen kann.

20:30

Inzwischen sind mehr Windkrafträder als Häuser zu sehen.

20:38

Ich steige in Meppen aus und werde von meinem Vater abgeholt. Jetzt noch eine halbe Stunde mit dem Auto, dann ist die Reise zuende.Im Auto erblicke ich plötzlich beim Überqueren der Nordradde einen wunderbaren Bodennebel und sage: „Wenn Du kannst, fahre rechts ran.“ In meiner Fotomanie wollte ich die Landschaft knipsen, um die Bilder hier zu veröffentlichen. Mein Vater, schwerhörig, verstand nur: „Fahr rechts ran“, und trat erschrocken und irritiert in die Bremsen!! „So war das nicht gemeint“, und bis ich ihm erklärt hatte, dass es sich nicht um einen Notfall, sondern um ein Bild handelte, war die Szenerie lang vorbei.



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21:17

Ankunft in Werlte. Steter Wandel. Bauliche Neuerungen, die das Dörfchen weiter verunstalten. Daheim: Famileienessen.

22:38

Ich gehe in den Garten, um eine Zigarette zu rauchen. Die Nacht ist sternenklar, die Luft feucht und mild. Vom ganzen Sitzen sind die Füße ganz taub. Ich gehe auf und ab, rauche noch eine und stelle fest, je länger man in die Sterne schaut, umso mehr werden es.

22:59

Ich hole mir einen GArtenstuhl und platziere ihn mitten auf der Rasenfläche. Ich lege mich hinein und blicke in die Sterne. Was sich einem bei so einem Blick auftut, kann man und sollte man nicht versuchen, in Worte zu fassen.

23:54

Es ist frisch geworden und ein brummendes Auto auf der entfernten Landstrasse holt mich auf die Erde zurück. ich gehe ins Haus.

23:55

Ich komme mit einer Decke und Musik wieder raus. Ich mache es mir unterm Himmelszelt gemütlich und stelle fest: Die erde hat sich gedreht! Die Sternenkonstelation, die ich gegen zwanzig vor elf beobachtet habe, hat innzischen eine anddere Position am Horizont. Zugegeben, es ist derweil allgemein bekannt, dass die Erde sich dreht. Dennoch ist es spektakulär, Zeuge kosmischer Bewegung zu sein. Solche Beobachtungen holen einen zurück in die Wirklichkeit und beseelen den Beobachter mit einem Gefühl von der Richtigkeit aller Dinge und als wäre das nicht genug warmes Kribbeln im Bauch, erklingt „The Golden Core“ über die Musikknöpfe in den Ohren.Ich falle tief in die Sterne, ob sie mir wohl noch mehr Geheimnisse preisgeben? Es scheinen immer mehr zu werden. Worte wie Bestimmung, Schicksal, Zufall, Möglichkeit und Sinn schiessen mir durch den Kopf. Die grummenden Klänge klingen wie das steinige Grummen der Erddrehung. Ich lasse gestirn und Musik freien Lauf- lasse es willenlos über mich ergehen. Alle Luken sind geöffnet, alle Sensoren auf Empfang. Plötzlich, aber bewußt ein Augenzwinern der Nacht: Eine Sternschnuppe!

02:00

Ich lag noch eine Weile in den Sternen versunken im Garten, bis schließlich Wolken wie ein Vorhang vor die Bühne zogen und ich mit dem wohlig behüteten Gefühl auf die Erde zurückkam, drei Sternschnuppen in einer Woche gesehen zu haben.