Mit ‘Badewanne’ getaggte Beiträge

Augenwischerpoesie

Veröffentlicht: 8. November 2007 in kurz mitgeschrieben
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Ich lag in der Badewanne, als es begann! Dieses Jucken im Auge. Einmal, zweimal, dreimal kurz durchgewischt und es war gut. So schien es zumidest. Anfangs war es auch gut. Doch es war nur der Anfang. Ich scherzte noch über das Inne-Augen-Rumgwurschteln und über die Suchtgefahr solcher Tätigkeiten. „Wenn man einmal damit anfängt (sich in den Augen rumzugwurschteln -Anm. d. Verf.), kann man nie wieder damit aufhören!“, hallte es noch durch meinen Kopf. Aber nur noch einmal, dann hört´s ja auch auf. Das In-den-Augen-tief-und-feste-Drinrumreiben versprach Linderung. Das Jucken aber hielt dagegen und steigerte die Intensität. Dann ein weiteres Mal, etwas druckintensiver, aber das schien das Jucken nur noch unendlich schlimmer zu machen. Beim nächsten Male wurde dann schon Präzisionsarbeit geleistet: Alle Lider, alle Wimpern wurden einmassiert, als wüßte man unbewußt, daß dem Augapfel ein scheinbar endloser Kampf mit seiner eigenen Rechten bevorstünde, bevor der Gong die nächste Runde einläutete und die Finger wieder aus dem Nichts ins schon verschwommene Sichtfeld gelangen und den Augapfel heftigst nach dem verflixten Fremdkörper abgraben würden. Man drückt, langsam beginnt das Auge zu tränen und man denkt: „Dazu sind Tränen da! Sie waschen Fremdkörper heraus. Das ist so und das kann man pauschal mal so denken! Basta. Da kann man ranruminterpretieren und assoziieren wie man will, der Satz steht.“ Dabei merkt man jedoch nicht, daß einem der Augapfel gleich völlig abhanden kommt, wenn man weiter so mit dem Fingernagel an der Netzhaut knibbelt. Ich bemerkte es zum Glück einen kurzen Augenblick (*mitdemaugezwinkernd* -Anm. d. Verf.) bevor es zu Spät war und hielt inne. Aus dem Inne-Augen-Drinrumreiben- und Nicht-mehr-damit-aufhören-können-Dilemma rettete mich der Abfluß. Sein tiefes Glucksen und der Halt des kleinen Kettchen vom Stöpsel machten mir ausdrücklich klar, daß ich mich noch in der Badewanne befand! Ich entstieg den Fluten und blickte in den Spiegel, und was ich da sah, erschrak mich! Ich war auf einen Meter fuffzig geschrumpft! Nein. Aber irgendwas ist passiert. Meine Haut war verschrumpelt. Aber nicht so wie als kleines Kind, wenn die Eltern einem mal wegen einenes Telefonats, wegen überkochender Milch oder wegen dem Unfug der Geschwister in der Wanne vergessen und nach einer satten halben Stunde endlich die Antwort auf die stichelnde Frage gefunden hatten, warum da immer wieder dieser zuckende Gedanke durch den Schädel blitzt, daß da noch was war. Es war schlimmer. Ich sah nicht aus wie eine Hexe, was Eltern gerne ihren Kindern sagen, die sie dann nach dem entsprechenden Zeitraum wild tobend im nassen Badezimmer wieder finden. Meine Haut hatte tiefe Furchen geworfen. Warum hat sie das getan? Ich versuchte mich in Gedanken zu vertiefen und mich zu beschäftigen, um das Auge und dessen Jucken zu verdrängen. Nimmt die Haut an Oberfläche zu? Muß sie ja, denn durch die Furchen entsteht ja mehr Oberfläche. Wie beim Hirn.. Ich nahm den Rasierer und rasierte mich einäugig. Oder nehme ich an Volumen ab, wenn ich bade? Ich zwinkerte immer mal wieder mit dem Auge, um den Tränenfluß zu beschleunigen, umso den ärgerlichen Fremdkörper heraus zu schwemmen. Nimmt die Haut mehr Oberfläche in Anspruch, weil sie sich mit Wasser „vollsaugt“? Oder war da nicht mal was mit Osmose? Gebe ich Wasser ab, um Druck auszugleichen? Wohl kaum! (Sollte ein Leser die richtige Antwort auf die Frage nach der Hexenhaut kennen, bitte ich um einen Kommentar. -Anm. d. Verf.) Osmose, Moses, der Fluß, der Nil, in dem schwamm dieses Bastkörbchen mit dem kleinen Sektenführer und Wüterich. Es muß da geschwommen haben wie der Fremdkörper auf den Tränen zwischen meinen Augenlidern.. Es war zu spät, ich verlor den Faden und alle Ablenkung war verschwunden. Ich war klar im Kopf und mein erklärtes Ziel war: Finde den Fremdkörper und hole ihn aus dem Auge! Es ist übrigens das Linke! Ich befreite das Waschbecken von meinen Barthaaren, um einen sauberen Arbeitsplatz zu haben und nicht eventuell einen zusätzlichen Fremdkörper in den Augapfel zu bekommen, dabei hörte ich ein komisches Geräusch, ein so untypisches Tropfen. Der Eimer, dachte ich! Mir ist da nämlich vor ein paar Tagen ein kleines Malheur passiert. Aber da ist eh nur etwas Brackwasser, einiges an Antirostmitteln und nun halt auch meine Barthaare drinne. Paßt schon und ich muß den Fremdkörper loswerden. Ich ließ das Auge geschlossen und pirschte mich im Dunkel heran, als es plötzlich klackte und klapperte und hopste und platschte. Ich hielt den Rasierer noch in der Hand, mit dem ich offensichtlich (*mitdemaugezwinkernd* -Anm. d. Verf.) meine Brille von der Nase geschubst habe, die dann mit dem Klacken auf den Waschbeckenrand purzelte, sich dort klappernd zusammenlegte, um weniger Luftwiderstand beim finalen Hops von der neuen Klopapierpackung unter dem Waschbecken in oben genannten Eimer zu bieten. Beim Platschen war alles klar! Ich sah den Eimer und die kreisenden Wellen vor meinem inneren Auge. Dieser Eimer, dieses Missgeschick. Es passierte bei meinem letzten Bad, genauer gesagt danach. Ich bückte mich nach meinen Kleidern, die nun mal unter dem Waschbecken lagen und beim rückartigen Wiederaufrichten hob ich das Waschbecken an, wodurch das U-Rohr aus der Dichtung unter eben jenem Waschbecken gerissen wurde. Das bemerkte ich damals erst nach dem Rasieren und Zähneputzen, und auch nur weil ich plötzlich in einer Pfütze stand, die da in diesem Maße nicht sein sollte. Seitdem scheiterten alle Versuche, es wieder an der Schraube anzubringen, die äußerst beharrlich durchs Sieb in den Abfluß führt. Selbst mit herbei geholter Hilfe (Fachkreise wissen, daß sie bereits den Namen meines Gehilfen weiter oben gelesen haben! -Anm. d. Verf.. haha -Anm. d. Lekt.), gelang es nicht, diese separat vom Gewinde des U-Rohrs zu bewegen. Selbst nach mehrmaligem Werkzeugwechsel und einer fachkundigen Beratung mit einem kleinen Grundkurs in „Klempnerei“ war die Schraube nicht zur Aufgabe zu bewegen. Insofern entschloß ich mich, den Eimer sicherheitshalber darunter stehen zu lassen. Das ist sicher schon eine Woche her, in der sich Abwasser, Barthaare, Zahnpasta aus versehentlichen Benutzungen des Beckens im Eimer angesammelt haben, zudem das Antirostmittel, das mit dem aggressiven, amerikanischen Logo, das ich absichtlich durch diesen offen Schlund hab laufen lassen und was sich nun auch in diesem Eimer zusammen mit meiner Brille mit den Kunststoffgläsern befandet. Ein Quieken schoß mir durch den Schädel. Hoffentlich sind die Gläser nicht verätzt! Ich griff in den dreckigen Eimer, holte meine Brille heraus und spülte sie wieder unter fließendem Wasser ab. Wieder dieses komische, untypische Tropfen! „Ich Idiot“, dachte ich. „Ein Wunder, daß ich heut noch nicht von einem Auto überfahren wurde. Aber so kann man ja nicht denken.“ Erlegt von meiner blinden Dummheit, rieb ich mir in einer Übersprungshandlung kurz durchs Auge. Das Jucken des Fremdkörpers war wieder da. Schnell merkte ich, daß der Fremdkörper Verstärkung bekommen hatte. Das Antirostmittel hatte das getan, was mir auf der Verpackung als zu vermeiden angeraten wurde, nämlich der Kontakt mit den Augen. Warum war mir unmittelbar klar. Immerhin spürte ich den juckenden und drückenden Fremdkörper nicht mehr ganz so intensiv. Resigniert stellte ich mich unter die Dusche und wusch die Augen und die Brille gründlich aus und ab. Der massive Wassereinsatz und nahezu epileptisches Zwinkern verflüchtigten das ätzende Brennen und zurück blieb nur eine Augenrötung zweiten Grades. Ich hoffte, mit dem Antirostmittel den Fremdkörper vielleicht nicht aufgelöst und zersetzt zu haben, aber zumindest herausgespült zu haben. Ich fühlte jedenfalls nichts mehr im Auge, was aber auch nichts heißen mußte, schließlich war es temporär total matschig. Jetzt sitze ich hier. Das Auge ist inzwischen trocken und es haben sich diese „Sandkörner“ gebildet, die man auch oft nach dem Schlafen im Auge hat. Es juckt nicht mehr und beim Abknibbeln des „Sandkorns“ entdecke ich den Übeltäter. Der Fremdkörper, vom „Sand“ eingeschlossen, ist nur eine Wimper! Ein vages Wunschversprechen machte mich blind. Mit den dekadenten Gedanken, daß mich momentan auch keine Wünsche weiterbringen würden, bließ ich sie wunschlos und glücklich von meiner Fingerspitze.

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Anlässlich meines neunundzwanzigsten Geburtstags gibt es nun das zu lesen, was ich an meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag geschrieben habe, worin auch zu den Geschehnissen an meinem vierundzwanzigsten Geburtstag Bezug genommen wird!

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Der Tag, an dem ich meinen Computer aus einer pandimensionalen Zeitschleife befreite war im Großen und Ganzen mein Geburtstag: Mein fünfundzwanzigster!

Ich verbrachte den ganzen Nachmittag im Bett. Ich zog mir nur kurz den alten, weißen Bademantel über, als ich die Treppen herunterging, um im Briefkasten nach Post zu sehen. Doch ich konnte nur den täglichen Brief an meine Mitbewohnerin bergen. Wieder oben angekommen sah ich in den Spiegel. In dem Bademantel sah ich aus wie ein Schlachter! Die vielen Teeflecken wirkten wie geronnenes Blut, weswegen ich beschloss den Bademantel endlich seiner letzten Bestimmung zu kommen zu lassen..

Stunden zuvor beauftragte ich meinen PC, die CD, die ich in seinen Schlund beförderte, auf der Festplatte zu speichern, um die Früchte intensivster Internetrecherge und monatelangen Suchens zu ernten, woraufhin sich mein PC in gewissenhaftes Summen und konzentriertes Schnarren zurückzog. Es schien ein ruhiger Tag zu werden..

Die Minuten verstrichen wie Sekunden und ich verbrachte die Zeit hauptsächlich damit, an das Mädchen zu denken, das eine Woche zuvor aus voller Brust und reiner Seele für mich gesungen hatte.

Wie dem auch sei, Zeit verging, aber nichts passierte! Die Sonne war schon im Endspurt ihres Halbkreises, bis ich entschloss, so könnte es nicht weiter gehen! Der PC müsste doch inzwischen seine Arbeit getan haben.. Ich knuffte die Maus und während ich darauf wartete, dass mein PC sein Auge öffnete, wollte ich die CD aus seinem Rachen entladen, als mich plötzlich ein blauer Bildschirm panisch darauf hinwies, dass irgendwas nicht normal war!

In solchen Augenblicken setzt man sich erst mal hin und macht sich einen Kopf..
Es flutschte und das Telefon klingelte. Die lieben Eltern. Wie immer gibt’s zuerst einen „Dialog“ mit der Überschrift „Fortschritt des Studiums“, daran schloss der zweite Teil „Geburtstag“ an; der zweite Teil beschränkte sich hauptsächlich auf meinen vierundzwanzigsten Geburtstag:
Damals klingelte ebenfalls das Telefon und mein Bruder gratulierte mir. Während er das tat, hörte ich gleichzeitig meine Türklingel im Hausflur und im Telefonhörer. Bevor ich zu der Schlussfolgerung kam und sie am Telefon meinem Bruder mitteilte, dass er es war, dem ich die Türe geöffnet hatte, hatte ich sie schon geöffnet…
Er sagte nur noch, er sei aber nicht allein und das Gespräch war beendet! Ich hörte mindestens sechs Füße die Treppen raufkommen.. Ich hatte kein Problem damit, meinem Bruder, meiner Schwester und meiner Mutter zu zeigen, was ich von unangemeldeten Besuchen und unerwarteten Überraschungen generell hielt!
Seitdem muss ich Seitenhiebe auf Kosten meiner Gastfreundlichkeit hinnehmen, die immer mit diesem Satz enden: „Wir würden Dich ja gerne besuchen kommen, aber wir dürfen ja nicht!“

Nach den telefonischen Gratulationen zu meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag und den obligatorischen Sticheleien, die erwartungsgemäß eben jenem Satz endeten, hatte das blaue Auge der Flimmerkiste die panische Hektik abgelegt und blickte wie gelähmt ins Nichts.

Ich fragte mich, ob man sich andauernd um solche Dinge einen Kopf machen müsste oder ob ich ein heißes Bad nehmen sollte, um endlich aus dem Pyjama herauszukommen.
Ich beantwortete beides mit „Ja“, ließ Wasser in die Wanne und blies den blauen Rauch über den blauen Bildschirm, während ich die „Esc“-Taste drückte.