Mit ‘Symbol’ getaggte Beiträge

„ Roadworks 1 – Heavy metal iz a poze, hardt rock iz a leifschteil“ von „Motorpsycho“

„The Other Fool“ leitet in das Album ein. Tief brummender Bass, messerscharfe Riffs, Funk und Jazz blitzen aus den Spitzen. Ein wüstes Lied, das dem Hörer nicht die Möglichkeit gibt, sich mit etwas anderem zu beschäftigen und ein hervorragender Übergang für die „K9 Suite“ (auch als „Un Chien d’Espace“ bekannt). Ruhig schleicht sich die Suite ein und still steigernd kracht dann unerwartet das Leben auf einen nieder. Federleicht hebt sich der Gesang aus der schweren Klangfülle. Weggezogen, aus Raum und Zeit gekürzt, das Bewusstsein beschränkt sich nur noch auf die akustische Wahrnehmung. Das Leben in allen höchsten Höhen und tiefsten Tiefen beschreibt dieses Lied. Die Kontinuität des Zyklus´ sowie die gegensätzliche Endlichkeit dieses Kreislaufs werden in Harmonie gestimmt. Nach 19 der 30 Minuten ist der Moment erreicht, den ich immer nur vage mit der „generellen Richtigkeit aller Dinge aller Dinge“ umreissen kann. Alles läuft auf einen Urton, eine Vibration, eine Schwingung, die alles überlagert, alles (be)stimmt, alles erfüllt, hinaus. Eine in sich geschmolzene, auseinander laufende und wieder in sich zurückkehrende Energie, die alles andere begründet, alles andere erst möglich macht. Kein Konsens, sondern Sinn. Wille! Ein erniedrigendes, vielmehr beängstigendes Gefühl, doch dann singt aus der Ferne die Zuversicht. „Super-Wheel“ überrollt die halbstündliche Bewusstseinserweiterung. Und bevor man sich wieder bewusst ist, findet man sich abrupt auf Reise. Mit der Zuversicht im Gepäck schreitet man in die dunkle Höhle und stürzt sich in das Teerloch. Alleine, leise schleichend, in die Schatten der finstren Ecken lauernd, in sich erkundend, Ruhe. „You Lied“ zieht das Rückenmark zurück aus der Reflexion und ist Vorredner des darauf folgenden, phantastischen „Black To Comm“. Man kehrt zurück aus der Hypnose, fühlt den Körper. Es baut Spannung auf. Drive. Und zieht den Hörer den Berg hinauf zum thronenden, alles über schauenden Gipfel. Dort oben gibt es 13 Sekunden „Words Of Wisdom“. Der finale Abschluss ist „Vortex Surfer“ Ein buntes Synapsenfeuerwerk an Erregungsübertragungen verbrennt in haarsträubenden Synästhesien. Der Text hat noch ein sehr langes Echo in meinem Kopf.

Das Wetter war sehr schwül, schon seit Tagen staute sich die Hitze unter der Wolkendecke und die Luft konnte man schneiden. Ich arbeitete in meiner Spelunke, dort war die Luft noch schlechter. Mein Blut schwamm im Alkohol und mein Körper fühlte sich von innen an wie ein verklebter Blasebalg.

Weit nach Ladenschluss knallte ich meinen Ellenbogen auf die Theke und dreht meine Mütze wie Stallone in “Over the Top”. Ich ließ meinen Motor an und hoffte, dass jemand mich herausforderte. Und tatsächlich: Es war Zwei-Finger-Joe! Dieser hat interessanterweise zwei Finger und einen Daumen, zudem ist er Linkshänder! Ich fragte mich, was ich tun würde? Wird er mich besiegen? Soll ich ihn gewinnen lassen? Darf ich diese Hand wirklich belasten? Erstaunlicherweise schmiegten sich seine zwei Finger und der Daumen perfekt zum Armdrücken in meine linke Fünf-Finger-Hand. Wird er vielleicht amtierender Vizeweltmeister im Paralympischen Armdrücken sein und meine schwache, linke Hand hart auf die Holztheke schmettern? Wir sahen uns an und ein Nicken startete den Kampf! Sofort spürte ich seine Butterarme und ohne einen Anflug der eingangs erwähnten Zweifel, besiegte ich ihn souverän.

Zu diesem Zeitpunkt -ungefähr- setze ein lauer, kurzer Regen ein. Man atmete die kondensierende Nässe, bis sich die Luft wieder knapp unter den Saturiertheitslevel (für die Aufnahme von Feuchtigkeit) ausgeregnet hatte. Kurz darauf wurde es dann wieder schwüler!

Am nächsten Abend. Es war immer noch schwül, aber nicht mehr so heiß. Es war den ganzen Tag bedeckt und ich habe mich wie ein kleines Kind auf ein tolles Gewitter gefreut. Es zogen auch dunkle Wolken auf, doch es blieb bei kleinen, angenehmen Schauern.

Die folgende Szenerie fand draußen statt. Eine überdachte Veranda und eine Einweihungsparty mit netten, nicht zu vielen Gästen. Es gab auch Räumlichkeiten, die ich aber nur einmal kurz erwähnen werde. Irgendwann kam jemand aus eben diesen Räumlichkeiten, die nun wirklich keine weitere Rolle in diesem und auch in keinen weiteren Abschnitten spielen werden, heraus gestolpert. Kurz vorher hatte jemand die Musik gewechselt und das Gesprächsthema draußen war: Ist das Goa? Oder hat diese Musik eine andere Bezeichnung, die man sich merken muss, um weiteren Kontakt damit zu vermeiden. Also fragte ich diesen Jemand, ob die Musik Goa sei. Er sagte, es sei Goa und in diesem Augenblick war mir klar, er war derjenige, der verantwortlich für den Musikwechsel war und ich wusste, wenn ich in diesem Augenblick nicht reagiere, wird dieser Hippie mir ein Gespräch über Goa aufzwingen! Reflexartig wendete ich mich meiner charmanten Begleitung zu, und er ließ von mir ab. Er, barfuß und in erdfarbenen Tönen gekleidet, gesellte sich ans andere Ende des Tisches. Geteilte Plaudereien rundum den Tisch plätscherten so vor sich hin, doch immer wieder ließ dieser Mensch mich aufhorchen. Da war irgendwas, da lag etwas in seiner Stimme.. oder eben nicht.. War es ein Sprachfehler? Immer wieder versuchte ich mittels Cocktailpartyeffekt bei ihm reinzuhören. Doch seine Stimme war leise, er lispelte und es waren mehr als ein Sprachfehler, die diese kleine Stimme ausmachte. Ich sah seine Zuhörer an, sie hingen gebannt an seinen Lippen. Hatte er Wichtiges zu berichten? Wie findet er Gehör? Soll ich auch so tun, als wäre ich gebannt und ihm zuhören, schließlich hat er eine Sprachbehinderung..? Ein fast Stimmloser, vielleicht kann er wahrlich Großes erzählen..? Welch ein Symbol! Das Wort “Level” fiel öfters und diffuse Zeitangaben.. Ging es hier um Meditationen, Bewusstseinsebenen? Er sah aus wie diese Goa-Hippies nun mal aussehen. Beim wiederholten Mithören und Gebannt-auf-seine-Lippen-schauen (sonst hätte ich gar nix verstanden) wurde mir klar, worüber er seit geraumer Zeit sprach: Es ging um sein Computerspiel, das er offensichtlich gerne spielt! Mein Blick schweifte schnell ab und streifte über seine Hörigen. Sie hatten Mitleid mit ihm und seiner Stimme, aber sie hörten ihm nicht zu, was ich gut nachvollziehen konnte.

Ich war enttäuscht und durchbrach diesen Teufelskreis, indem ich in dieser kondensierenden Nacht für Wodka-O sorgte!